
Die vier Astronauten, die als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes waren, sind nach ihrer Rückkehr von ihren Familien, Freunden und Kollegen gefeiert worden. "Danke, dass ihr uns den Mond wieder gezeigt habt", sagte Nasa-Chef Jared Isaacman bei einer Willkommens-Veranstaltung im texanischen Houston an die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie den kanadischen Astronauten Jeremy Hansen gerichtet. "Danke, dass ihr uns den Planeten Erde wieder gezeigt habt."
Die Crew der "Artemis 2"-Mission war in einer Art großen Acht um den Mond herum geflogen und hatte sich weiter von der Erde entfernt als jemals Menschen zuvor. Nach rund zehn Tagen im All trafen die Astronauten in der Nacht zum Samstag (MESZ) planmäßig im Pazifik nahe San Diego auf. Die Crew wurde per Helikopter zu einem Schiff gebracht, medizinisch untersucht und später weiter nach Houston geflogen.
"Ich habe noch nicht verarbeitet, was wir gerade gemacht haben, und habe Angst, überhaupt anzufangen, es zu versuchen", sagte Glover auf der Feier.
"Es war nicht einfach, mehr als 200.000 Meilen von zu Hause entfernt zu sein", sagte Wiseman. "Vor dem Start fühlt es sich an wie der größte Traum der Erde, aber wenn man da draußen ist, will man einfach nur wieder zurück zu Familie und Freunden. Es ist eine besondere Sache, ein Mensch zu sein, und es ist eine besondere Sache, auf dem Planeten Erde zu sein." Koch sagte, die Erde habe sich von weitem angefühlt wie ein "Rettungsboot".
Landung ist kompliziert
Die Landung war ein kompliziertes Manöver, bei dem die "Orion"-Kapsel zeitweilig eine Geschwindigkeit von bis zu 38.400 Kilometern pro Stunde erreichte, was die Astronauten extremen körperlichen Belastungen aussetzte. Mit einem speziellen Schild wurden die Astronauten vor der extremen Hitze geschützt, der die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ausgesetzt ist. Für rund sechs Minuten fiel dabei planmäßig die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum aus. Mit Hilfe von Fallschirmen kam die Kapsel anschließend abgebremst im Pazifik auf.
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (49) sieht mit der Mondmission eine neue Ära in der Raumfahrt-Forschung angebrochen. Das sei die zweite Welle der Exploration des Mondes, um den Weltraum zu erkunden, sagte er am Samstagmorgen im Deutschlandfunk. "Da geht es nicht mehr darum, Flaggen aufzustellen wie in der ersten Welle." Nun gehe es darum, permanent präsent zu sein auf der Mondoberfläche als Wissenschaftler und Wissenschaftlerin. "Das wichtigste Ergebnis hierbei ist, dass das Raumschiff funktioniert."
Die europäische Raumfahrtbehörde Esa hatte das sogenannte European Service Module (ESM) geliefert, das maßgeblich in Bremen zusammengebaut wurde. Es versorgte die Astronauten unter anderem mit Sauerstoff, Wasser und Strom und stellte zudem den Antrieb für die "Orion"-Kapsel, in der sie zum Mond flogen. Die Esa ist auch weiterhin dabei. "Die Module für die Missionen "Artemis 3" und 4 sind schon geliefert", sagte Daniel Neuenschwander, Esa-Direktor für astronautische und robotergestützte Raumfahrt, der dpa. An dem Modul seien 13 europäische Länder beteiligt gewesen.
Erste Menschen in der Nähe des Mondes seit mehr als 50 Jahren
Die vier Astronauten waren die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der "Orion"-Kapsel mit dem Raketensystem "Space Launch System" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben.
Für Glover, Koch und Wiseman war es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch wurde zur ersten Frau an Bord einer Mondmission der Nasa, Glover zum ersten nicht-weißen Menschen und Hansen zum ersten Kanadier.
Insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurückgelegt
Der Flugverlauf von "Artemis 2" glich insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten legten insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurück. Sie entfernten sich weiter von der Erde als je ein Mensch zuvor: Mit ihrer "Orion"-Kapsel knackten sie den 1970 aufgestellten Rekord der "Apollo 13"-Mission von rund 400.171 Kilometern. Am weitesten Punkt waren sie rund 406.771 Kilometer von der Erde entfernt.
Bei ihrem Flug beobachteten die Astronauten auch die Rückseite des Mondes und konnten aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor mit eigenen Augen gesehen hat. Für rund 40 Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie vorab erwartet, nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde zu kommunizieren.
In einer besonders bewegenden Initiative benannte die Crew einen zuvor namenlosen Mondkrater nach der 2020 im Alter von 46 Jahren an Krebs gestorbenen Ehefrau ihres Kommandanten Wiseman. Er soll nun Carroll-Krater heißen.
Schließlich konnten die Astronauten – mit speziellen Brillen – noch eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Sonne aus der Perspektive der "Orion"-Kapsel hinter dem Mond verschwand.
Bislang zwölf US-Amerikaner auf dem Mond
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den "Apollo"-Missionen von 1969 bis 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.
"Artemis 2" soll nun ein großer Schritt in Richtung eines neuen Mondprogramms sein - mit dem Ziel von bemannten Landungen und dann einer permanenten menschlichen Präsenz auf dem Erdtrabanten. Schon bald solle die Crew für die nächste geplante Mondmission "Artemis 3" bekanntgegeben werden, hieß es von der Nasa. Eine Mondlandung ist erst 2028 für die Mission "Artemis 4" geplant. Der Weg zum Mond sei offen, sagte Nasa-Manager Amit Kshatriya. "Aber es liegt mehr Arbeit vor uns als hinter uns."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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