
Während Politiker wie Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) die massiven Ausschreitungen beim Südwest-Derby verurteilen, hat bei den Verantwortlichen vom SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern die Suche nach Antworten begonnen. Wie kann verhindert werden, dass die Rivalität zwischen den beiden verfeindeten Fan-Lagern erneut in solche Szenen ausartet?
"Man muss sich zusammensetzen und vielleicht einen anderen Ansatz wählen", sagte FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen nach dem 1:0-Auswärtssieg der "Roten Teufel" in der ersten Runde des DFB-Pokals. Nach einem Platzsturm, Pyrotechnik und dem Einsatz von rund 1.400 Polizeibeamten rückte der sportliche Erfolg jedoch in den Hintergrund. "Da müssen vielleicht nicht nur durch den Fußball, auch durch den Gesetzgeber härtere Strafen verhängt werden."
Das Stadion dürfe seiner Ansicht nach kein rechtsfreier Raum sein. Der Verein stehe mit seinen Fans im ständigen Austausch, erklärte Hengen. Angesprochen darauf, ob es eine Möglichkeit gebe, die Emotionen einzudämmen, antwortete er: "Ich glaube nicht, das ist ja von beiden Seiten so. Es ist ein traditionelles Derby. Es ist tatsächlich schwierig", fügte er hinzu. "Wenn es auf den Rängen so ausgetragen werden würde, wie auf dem Platz, dann wäre das super."
Spielabbruch drohte
Fast durchgehend brannten in beiden Fan-Blöcken bengalische Feuer. Immer wieder flogen Knallkörper über und auf das Spielfeld. Nachdem die reguläre Spielzeit torlos geendet war, entluden sich die Emotionen. Zunächst gerieten die Mannschaften in einer Rudelbildung aneinander. Anschließend flogen aus dem FCK-Bereich Feuerwerkskörper in Richtung der Sitzplätze. Auch berittene Polizisten wurden eingesetzt. Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie.
Die Liste der Vergehen ist lang und dürfte im Zuge der nun anlaufenden Verfahren noch länger werden. Der DFB hatte bereits unmittelbar nach Spielende auf die Ausschreitungen reagiert. "Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten", hieß es in einer Stellungnahme auf Instagram. "Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein", sagte Referee Robert Schröder bei Sky.
FCK-Profi Ritter im Mittelpunkt
Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war angesichts der massiven Ausschreitungen mit 85 medizinisch versorgten Personen und 35 verletzten Polizeibeamten "das Maß überschritten". Für einen Teil der Eskalation machte der Österreicher FCK-Profi Marlon Ritter verantwortlich. "Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet worden. So hat man ein Problem", sagte Zuber. Ritter selbst meinte, es sei "wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen Beteiligten". Zu den Mannheimer Vorwürfen sagte er: "Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in die Kirche."
Nach einer ersten Analyse der Polizei wurden zudem mehrere Fußballfans vorläufig festgenommen. Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
"Uns geht es nicht darum, eine amtliche Rechnung vorwegzunehmen", sagte Thomas Mohr, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Wir wollen deutlich machen, welche personellen und finanziellen Dimensionen solche Hochrisikospiele inzwischen erreichen. Diese staatlichen Ressourcen stehen währenddessen für andere Aufgaben nur eingeschränkt zur Verfügung." Nach Angaben der GdP könnten die Kosten für den Einsatz "bei rund einer Million Euro oder darüber" liegen.
Mohr regte an, die Vereine zur Rechenschaft zu ziehen. "Wer durch Hochrisikospiele einen außergewöhnlich hohen Polizeiaufwand verursacht, muss sich angemessen an den zusätzlichen Einsatzkosten beteiligen." Zudem müssten "langfristig wirksame Stadionverbote" durchgesetzt und Fanbereiche stärker kontrolliert werden.
Innenminister: "Kein normales Derby"
Landesinnenminister Hagel verurteilte die Szenen. "Das war kein normales Derby", erklärte er. "Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen."
Zugleich lobte Hagel die Einsatzkräfte. Die Polizei habe "Großartiges geleistet", sei "hochprofessionell vorbereitet" gewesen und habe seine "volle Rückendeckung".
Letztlich gewann der FCK das Spiel 1:0 nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschießen. "Ich würde gerne lesen, dass 20 Helden nach Kaiserslautern zurückgekommen sind. Denn das sind sie heute für mich: Helden", sagte Trainer Torsten Lieberknecht.
Sein Wunsch ging jedoch nicht in Erfüllung: Stattdessen dominierten die Auseinandersetzungen von Mannheim die Schlagzeilen.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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