
Alle Hoffnung vergebens: Nach einem wochenlangen Drama ist ein herzkranker kleiner Junge in Italien gestorben. Das Leben des nicht einmal zweieinhalb Jahre alte Domenico ging auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Neapel zu Ende. Seine Mutter Patrizia Mercolino sagte anschließend unter Tränen: "Mein Sohn ist jetzt ein Engelchen." Zugleich forderte sie volle Aufklärung über die Umstände, wie ein bereitstehendes Spenderherz beschädigt und dann trotzdem transplantiert wurde.
Der Fall sorgt seit Wochen für Schlagzeilen, auch über Italien hinaus. Der Junge war 2023 bereits mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. Kurz vor Weihnachten wurde für ihn endlich ein Spenderherz gefunden. Beim Transport wurde das Ersatzorgan jedoch falsch gekühlt und dadurch schwer beschädigt. Die Ärzte setzten es trotzdem ein. Seither wurde Domenico von einer Maschine am Leben gehalten.
Dann entschied ein Ärzteteam am Mittwoch, dass eine neue Transplantation zwecklos sei - auch, weil andere Organe wie die Nieren nicht mehr richtig funktionierten. Seither war klar, dass Domenico nicht überleben würde.
Am Samstagvormittag teilte das Monaldi-Krankenhaus in Neapel mit, dass er "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" gegen 9.20 Uhr gestorben sei. Der Leichnam wird nun obduziert. Am Donnerstag oder Freitag soll er beerdigt werden.
Mutter: "Jemand muss dafür bezahlen"
In den letzten Minuten war seine Mutter bei ihm. Die 44-Jährige aus einem Vorort von Neapel, die zwei weitere Kinder hat, berichtete: "Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste - und dann war alles vorbei." Auf die Frage, wer Schuld am Tod ihres Sohnes habe, antwortete sie: "Ich werde niemandem die Schuld geben, solange ich nicht die Wahrheit kenne. Aber jemand muss dafür bezahlen."
Zum Verhalten der Ärzte sagte sie: "Ich habe ein reines Gewissen, sie nicht. Sie sind es, die sich schämen müssen, mir in die Augen gesehen zu haben. Nicht ich." Mercolino kündigte an, eine Stiftung im Namen ihres Sohnes zu gründen, "damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen".
Auf ihrer linken Hand trägt sie nun ein Tattoo: "Mio guerriero" ("Mein Krieger") und den Buchstaben D. Bislang hatte sie ihren Sohn in der Öffentlichkeit stets "kleinen Krieger" genannt, nie beim Namen.
Ärzteteam erklärt nochmalige Operation für sinnlos
Domenico lag zuletzt fast zwei Monate im Krankenhaus, die meiste Zeit im Koma. Dort war er an eine ECMO-Maschine angeschlossen, eine Art künstliche Lunge und künstliches Herz. Seither hoffte man, baldmöglichst ein weiteres Spenderherz zu finden - was nicht gelang. Zudem verschlechterte sich sein Zustand. Am Mittwoch wurde sein Name von der Warteliste der Patienten genommen, die auf ein Spenderherzen warten.
Wegen des schweren Herzfehlers war schon lange klar, dass das Kind ein Ersatzorgan braucht. Im Dezember wurde ein Spenderherz gefunden: In Südtirol war ein Vierjähriger mit gleicher Blutgruppe ertrunken. Beim Transport aus Bozen nach Neapel wurde das Herz jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: 80 Grad minus statt 4 Grad plus. Dadurch erfror es buchstäblich.
Weil die Ärzte dem Jungen jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem verpflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), was nur begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz - eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist - kann man deutlich länger überleben.
Inzwischen wird gegen sechs Ärzte und Sanitäter ermittelt. Die Kühlbox, die beim Transport verwendet wurde, ist ebenso beschlagnahmt worden wie deren Handys. Nach Medienberichten handelt es sich bei der Kühlbox um ein älteres Modell. Aus Justizkreisen verlautete, dass die Ermittlungen nun vermutlich auf den Vorwurf der fahrlässigen Tötung ausgeweitet werden. Die Klinik in Neapel hat zudem interne Prüfungen eingeleitet.
Mehr als 13.000 Menschen warten auf neues Organ
Für Empörung sorgte zudem, dass die Eltern nach eigenen Angaben von der Klinik wochenlang im Unklaren gelassen worden waren, warum die Transplantation misslang. Die Mutter berichtete später, sie habe alles erst aus der Zeitung erfahren. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kondolierte mit den Worten: "Ganz Italien trauert um den kleinen Domenico. Ein Krieger wie er wird nie vergessen."
Aktuell sind in Europa mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ angewiesen. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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