
Spitzenathleten, bei denen wie bei Jamal Musiala Absencen als Form epileptischer Anfälle diagnostiziert wurden, können bei einer erfolgreichen Therapie wieder voll in ihren Sport zurückkehren. "Man kann ganz allgemein sagen, dass etwa 80 bis 90 Prozent aller Betroffenen durch Medikamente heilbar sind", schilderte der Neurologe Peter Berlit der Deutschen Presse-Agentur. Dies treffe grundsätzlich auch auf Profifußballer zu. "Da man das in aller Regel medikamentös in den Griff bekommt, gilt das natürlich genauso für Sportler: Wenn keine Anfälle mehr auftreten, ist man voll einsetzbar."
Der Professor und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) erklärte: "Die Mehrzahl der Patienten muss allerdings über Jahre, manchmal sogar ein Leben lang, Medikamente einnehmen. Wenn diese Medikamente regelmäßig eingenommen werden und gut im Wirkspiegel sind, dann sind die Personen typischerweise auch vor diesen Anfällen geschützt."
Sport, Stress, Lichtreize theoretisch als Auslöser möglich
Nationalspieler Musiala war am Dienstagabend im Testspiel seines FC Bayern beim 1. FC Heidenheim zusammengebrochen - ähnlich wie schon drei Tage zuvor im Freundschaftsspiel gegen RB Leipzig. Er wurde auf dem Platz kurz behandelt und konnte dann eigenständig vom Feld laufen. Daraufhin machte er öffentlich, dass er an Absencen leide, "welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind". Diese treten temporär kurz auf und seien gut behandelbar, schrieb der 23-Jährige in den sozialen Netzwerken.
Seit wann Musiala diese Absencen hat und wodurch sie ausgelöst wurden, ist nicht bekannt. "Es braucht keine Trigger, aber bestimmte Dinge können Anfälle provozieren", sagte Berlit allgemein. "Dazu zählt zum Beispiel Hyperventilation, also sehr energisches Ein- und Ausatmen wie bei sportlicher Betätigung. Auch so was wie Flickerlicht, also Lichtreize, können Absencen auslösen, im weitesten Sinne auch Stress. Es gibt verschiedene Triggerfaktoren; die Attacken treten aber auch ohne solche Trigger auf."
Experte: Leistungssport dank Medikamenten möglich
Der Experte erklärte, dass Betroffene die Anfälle gar nicht bemerken. "Sie merken nur nachher, dass irgendwas nicht gestimmt hat. Aber während des Aussetzers kriegen sie das nicht mit." Absencen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten, klingen oft im mittleren Erwachsenenalter wieder ab und man kann sogar die Medikamente absetzen. "Wenn es später auftritt, muss man oft länger behandeln", sagte Berlit, ohne konkret auf Musiala einzugehen.
Gefahren für Leistungssportler durch Medikamente sieht er nicht. "Natürlich muss man individuell gucken, wie die Verträglichkeit ist. Jedes Medikament kann auch Nebenwirkungen haben, aber es stehen verschiedene hochwirksame Präparate zur Verfügung und eigentlich kann man für jeden Patienten individuell auch ein Präparat finden, was der- oder diejenige gut verträgt und mit dem auch Leistungssport gemacht werden kann." Außerdem meinte er: "Das Risiko, dass die eingesetzten Tabletten als Doping klassifiziert werden, besteht nicht."
Absencen schädigen Gehirn nicht
Ganz grundsätzlich hätten Absencen auch keine Folgen für das Gehirn. "Nein, das ist das Schöne bei dieser Art von Anfällen", sagte Berlit. "Bei anderen Anfällen, den sogenannten Grand Mal, die ja mit Sturz und Muskelzuckungen des ganzen Körpers einhergehen, ist das anders. Da kann es tatsächlich auch zu Folgeschäden kommen, aber bei Absencen nicht."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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