
Offensiv wollte Max Verstappen nicht über eine mögliche Titelchance sprechen, doch mit nur einem guten Rennen hat sich die Stimmung des viermaligen Formel-1-Weltmeisters komplett gewandelt. "Es ist das erste Mal, dass ich wieder um einen Sieg fahren konnte", sagte der Niederländer nach Platz zwei beim Großen Preis von Österreich. Nach frustrierenden Monaten fehlten dem 28-Jährigen in Spielberg nur 1,6 Sekunden zum ersten Saisonerfolg. "Das ist ein großer Fortschritt", sagte Verstappen und grinste.
"Die Bestie ist zurück", schrieb die spanische "Mundo Deportivo" nach dem unerwartet guten Grand Prix. Gut gelaunt wie lange nicht lief Verstappen nach dem Podest-Coup auf der Rennstrecke seines Red-Bull-Rennstalls durch das Fahrerlager. Konzerngrößen wie Milliardenerbe Mark Mateschitz und Boss Oliver Mintzlaff waren gekommen, um den Starfahrer zu sehen und zu unterstützen. Der gute Auftritt könnte ein erstes Puzzleteil dafür sein, dass Verstappen bei dem Rennstall bleibt und seinen Vertrag bis zum Ende erfüllt.
Nutzt Verstappen seine Ausstiegsklausel?
Nach einem technischen Update zeigte sich das Auto stark verbessert - und das soll nur ein Zwischenschritt sein. "Hoffentlich dauert es nicht zu lang, aber wir haben immer noch ein bisschen Arbeit vor uns", sagte Verstappen. Er wollte nicht ins Detail gehen, merkte aber an: "Für einen WM-Titel haben wir noch zu viele Probleme. Das ist keine Kritik, aber das ist aktuell die Wahrheit."
Er wisse genau wie das Team, was es zu verbessern gilt. Daran wollte man nun gemeinsam arbeiten: "Wir müssen uns noch Dinge anschauen, aber das jetzt ist schon ein großer Schritt nach vorn. Das ist ein gutes Zeichen."
Natürlich bleibt seine Ausstiegsklausel ein Thema. Angeblich kann Verstappen zum Jahresende aus seinem eigentlich noch bis Ende 2028 laufenden Vertrag aussteigen, wenn er bis Ende des Monats nicht mindestens Zweiter der WM ist. Das ist mittlerweile unmöglich - und trotzdem hat sich die Situation im Vergleich zu der vor dem Wochenende stark verändert. Verstappen ist nach dem 129. Podestplatz seiner Karriere für den Moment wieder in der Lage, etwas mit seinem Auto gegen die Konkurrenz auszurichten. Nach den Regeländerungen zu Jahresbeginn hatte das nicht funktioniert.
Fast 100 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden
Verstappen wirkte im März schwer frustriert, schimpfte öffentlich über die neuen Regeln. Am Sonntagabend klang das ganz anders. "Das ist sehr befriedigend", sagte der WM-Siebte, der zwei Podestplätze in dieser Saison zu Buche stehen hat, zur Rückkehr aufs Podium. Allerdings: Der Rückstand auf den WM-Führenden Kimi Antonelli von Mercedes beträgt schon 98 Punkte. "Das ist eine große Lücke", sagte Verstappen, merkte aber trotzdem an: "Es ist sehr positiv, jetzt hier in dieser Position zu sitzen. Es war ein langer Weg hierher."
Das sah auch Red Bulls Teamchef Laurent Mekies so. "Jetzt wieder zurück im Rennen zu sein, zeigt, welches Talent in unserem Team steckt", sagte der Franzose bei Sky: "Dieses Wochenende hat uns einen großen Schritt nach vorn gebracht." Am Ende herrschte sogar etwas Enttäuschung, dass George Russell in der Gluthitze von mehr als 34 Grad im Mercedes hauchdünn gewann. "Es ist immer etwas frustrierend, wenn man im Getriebe des Siegers steckt und dann nicht gewinnt", sagte Mekies: "Aber Max war einfach unglaublich heute."
Nächstes Rennen in Silverstone "ein hartes Ding"
Vor dem Team liege nun viel "Bastelarbeit", sagte der Boss: "Wir werden versuchen, noch mehr Updates zu bringen, sobald das möglich ist." Verstappens Dienstfahrzeug habe noch viel mehr Potenzial, betonte der Rennfahrer selbst. Im Qualifying am Samstag hatte ein technischer Defekt zu einem heftigen Abflug von der Piste geführt. Verstappen traf keine Schuld, ein Problem am Heckflügel sorgte für den Crash. Im Rennen stimmte etwas mit der Hinterachse nicht, was jetzt noch untersucht werden soll.
Nicht nur das sind Zeichen, dass von einem Tag auf den anderen längst nicht alles perfekt läuft. Denn auch auf das kommende Wochenende blickt Verstappen mit Sorge. Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im englischen Silverstone rechnet sich der 71-malige Grand-Prix-Sieger nicht wirklich viele Chancen aus.
"Ich habe ein paar Runden im Simulator gedreht und musste anfangen zu lachen", sagte Verstappen. Demnach habe das Auto nicht so funktioniert, wie er sich das gewünscht hätte. "Es wird ganz anders als hier. Das wird ein hartes Ding", sagte Verstappen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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