
Hansi Flick war nach dem Wechselbad der Gefühle sichtlich bewegt. "Ich werde diesen Tag niemals vergessen", sagte der Trainer des FC Barcelona mit ruhiger Stimme, aber feucht glänzenden Augen nach dem 2:0 über Real Madrid. Damit sicherten sich die Katalanen drei Runden vor Ende der spanischen Primera División ihren 29. Ligatitel. Und zwar vor 60.000 Zuschauern im frisch renovierten Camp Nou, erstmals in einem Match gegen den Erzrivalen - und ausgerechnet an dem Tag, an dem Flick seinen Vater verlor.
Der 61-Jährige wurde nach dem Abpfiff auch von Gegnern umarmt, von seinen Schützlingen in die Höhe geworfen. Auf den Rängen ertönten "Hansi, Hansi!"-Rufe. Die Zeitung "La Vanguardia" titelte: "Eine nie dagewesene Ekstase". "Es war ein harter Tag für mich", sagte der Ex-Bundestrainer noch auf dem Rasen. "Aber ich liebe es hier, es ist wie eine Familie." Es sei alles "fantastisch".
Die Liebe ist gegenseitig. Nicht nur in Barcelona, sondern - wie ein Blick in die Blätter verrät - in ganz Spanien. Sogar die Medien in Madrid stimmten in die Lobeshymnen ein. Flick habe "die Herzen aller erobert", schrieb die Fachzeitung "AS", die sonst gern über die "Blaugrana" herzieht. In den zwei Jahren in Barcelona habe der Coach mit Stadt, Club und Fans "eine schon fast kosmische Verbindung hergestellt". Flick habe keine Angst vor "heiligen Kühen" und werde deshalb respektiert. "Für ihn rennen die Spieler wie die Teufel."
Raphinha: "Er ist wie ein Vater für mich"
In Barcelona wurde der Mann aus Heidelberg, der vor den zwei Ligatiteln in Serie mit Barça bereits mit dem FC Bayern München dasselbe Kunststück geschafft (2020und 2021) hatte, erst recht euphorisch gefeiert. "Er hat sich ewige Liebe verdient", titelte die Zeitung "El Periódico". Nicht nur wegen der Erfolge (Flick gewann in zwei Spielzeiten am Mittelmeer zwei Ligen, zweimal den spanischen Supercup und einmal den Landespokal), betont das Blatt, sondern "auch und vor allem wegen seines tadellosen Benehmens." Flick vermittle Frieden, so "El Periódico". Das sei Teil seines Erfolgsrezepts.
In der Tat könnte der Kontrast zu Real, das in der Tabelle uneinholbare 14 Punkte zurückliegt, nicht größer sein. Aus Madrid kommen Berichte über Zoff und Schlägereien in der Kabine, über einen "Krieg" der Egos der Stars um Kylian Mbappé, Vinícius Júnior, Jude Bellingham & Co. Es gehe dort so schlimm zu, dass sich deshalb die Suche von Clubboss Florentino Pérez nach einem Nachfolger von Trainer Alvaro Arbeloa schwieriger als erwartet gestalte, keiner wolle kommen, versicherte ein TV-Kommentator.
In Barcelona scheint derweil trotz des ebenso unerwarteten wie schmerzhaften Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Atlético Madrid vor wenigen Wochen das Paradies angesiedelt zu sein. Flick sei "der Papa einer großen Familie", heißt es. In der Tat: "Er ist wie ein Vater für mich", sagte der brasilianische Stürmer Raphinha nach dem Titelgewinn. "Er hat mir das Vertrauen in mir selbst zurückgegeben." Und Spielmacher Pedri verriet: "Wir wollten den Titel für ihn gewinnen, für alles, was er uns gegeben hat."
Diese Saison hat Barcelona noch ein Ziel: den 100-Punkte-Rekord
Dabei waren die Voraussetzungen für Flick alles andere als gut. Der FC Barcelona ist mit rund 2,5 Milliarden Euro hoch verschuldet, die Verpflichtung von Stars kommt seit Jahren kaum infrage. Vor dem Hintergrund des jungen und relativ unerfahrenen Kaders wogen diese Saison die insgesamt 18 längeren Ausfälle von Leistungsträgern wie Pedri, Raphinha, Robert Lewandowski oder zuletzt auch Jungweltstar Lamine Yamal noch schwerer. Zudem mussten die Heimspiele wegen des Umbaus des Camp Nou lange Zeit in dem bei den Fans ungeliebten, weil atmosphärenarmen Olympiastadion ausgetragen werden.
Am frühen Montagabend beginnt auf den Straßen von Barcelona die Meisterparty. Im offenen Bus werden Spieler und Trainerstab durch die Stadt fahren. Start und Ziel ist das Camp Nou. Allzu wild wird man aber sicher nicht feiern, denn es gibt diese Saison noch ein wichtiges Ziel: Die Katalanen wollen die letzten drei Spiele gewinnen, um 100 Punkte zu erreichen und so den Barça-Rekord von Tito Vilanova (2013) und von Real unter José Mourinho (2012) einzustellen. Schon am Mittwoch muss die Flick-Elf bei Abstiegskandidat Deportivo Alavés antreten.
Und nächste Saison hat Flickein großes Ziel im Visier. "Wir werden erneut versuchen, die Champions League zu gewinnen", sagte er. Der FC Bayern München und die diesjährigen Finalisten Paris Saint-Germain und FC Arsenal sind gewarnt.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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