
Kopfschütteln bei Fans und Verbraucherschützern, Ermittlungen der US-Justiz - immer wieder sorgte die Ticket-Vergabe für die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft für Aufsehen. Auch kurz vor der Eröffnung des XXL-Turniers in den USA, Kanada und Mexiko gibt es noch Eintrittskarten. Kurzentschlossene müssen aber tief in die Tasche greifen - vor allem auf dem Zweitmarkt. Fragen und Antworten zum Ticket-Ärger.
Wie komme ich noch an Tickets?
Auf dem offiziellen Weg nur mit einer Registrierung im FIFA-Ticketportal. Hier bietet der Weltverband noch Karten im Last-Minute-Verkauf an. Zudem gibt es den offiziellen Zweitmarkt, auf dem Fans ihre Tickets tauschen oder weiterverkaufen können. Die Preisunterschiede sind allerdings - nicht nur von Spiel zu Spiel, sondern auch bei der jeweils gleichen Veranstaltung - mitunter enorm.
Für das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika im legendären Aztekenstadion bot die FIFA zuletzt etwa noch Einzeltickets für umgerechnet rund 2.500 Euro an. Auf dem Zweitmarkt wurden bis zu 22.000 Euro verlangt. Für das Finale in New Jersey werden auf dem Zweitmarkt Hospitality-Pakete für bis zu 600.000 Euro angeboten. Zwischenzeitlich standen hier sogar Endspiel-Tickets für mehrere Millionen Euro zum Verkauf.
Eintrittskarten für Gruppenspiele zwischen den Außenseitern Haiti und Schottland oder Ghana und Panama wirken da fast schon wie Schnäppchen, sind aber auch erst ab 330 oder 440 Euro erhältlich.
Warum ist der offizielle Zweitmarkt so umstritten?
Die FIFA reguliert den Preis auf dem Zweitmarkt nicht, der Verkäufer kann ihn frei festlegen. Das erklärt die horrenden Summen, die mitunter aufgerufen werden. Der Weltverband profitiert allerdings vom Verkauf einer Karte auf dieser Plattform - und das sogar gleich doppelt. Sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer kassiert er pro Ticket eine Gebühr von jeweils 15 Prozent.
"Mit dem Ticket-Zweitmarkt geht die FIFA neue Wege. Und zumindest für die FIFA könnte es ein Erfolgsmodell werden. Der Verband verdient mehr am Zweitmarkt als früher. Er versucht darüberimplizitHändler und nicht mehr nur Fans zu erreichen", sagte Sportökonom Professor ChristophBreuer von der Deutschen Sporthochschule Köln.
Was sagen die Kritiker?
Durch das dynamische Preismodell könnten Ticketkäufer kaum nachvollziehen, warum andere für einen Platz der gleichen Kategorie deutlich weniger oder mehr bezahlen, schreibt die deutsche Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage. Zudem könnten sich viele Fans die Karten schlichtweg nicht leisten. "Da es keinen festen Zweitverkaufspreis gibt, hat der Preis nach oben kaum eine Grenze. Und dabei profitiert die FIFA prozentual. Wir erleben Preise, die selbst die Sportwelt so noch nicht gesehen hat", sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur.
Auch die Fanorganisation "Football Supporters Europe" (FSE), die im März bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die FIFA eingelegt hat, kritisiert unter anderem die hohen Preise und deren dynamische Gestaltung. Die Tickets, die vom Weltverband für gut 50 Euro pro Spiel angeboten wurden, seien zudem viel zu knapp bemessen gewesen, heißt es vonseiten der FSE.
Der Wirbel um die Preispolitik erreichte sogar die US-Justiz. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta schickte ein Schreiben an die FIFA, um mögliche Verstöße gegen kalifornisches Verbraucherschutzrecht zu prüfen. Die Generalstaatsanwältinnen von New Jersey und New York, Jennifer Davenport und Letitia James, kündigten eine Untersuchung wegen Berichten über möglicherweise irreführende Ticketvergabepraktiken des Weltverbands an.
Was sagt die FIFA?
Das angewandte Modell für den Ticketverkauf und den Zweitmarkt entspreche den "in den Gastgeberländern üblichen Standards bei großen Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen", erklärte der Weltverband auf dpa-Nachfrage. "Die anfallenden Gebühren für die Vermittlung des Wiederverkaufs orientieren sich an den branchenüblichen Standards im nordamerikanischen Sport- und Unterhaltungssektor."
Auch die variable Preisgestaltung folge "aktuellen Branchentrends im Sport- und Unterhaltungsbereich, bei denen Preise angepasst werden, um Absatz und Zuschauerzahlen zu optimieren sowie einen fairen Marktwert der Veranstaltungen zu gewährleisten". Zudem betonte die FIFA schon mehrfach, dass das Geld zum größten Teil an den Fußball zurückfließen werde. Maßgeblich würden die 211 Nationalverbände, darunter der DFB, profitieren.
Was sagt Gianni Infantino?
"Es gab viele Diskussionen über die Ticketvergabe für die Weltmeisterschaft", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino bereits Ende April. Von 500 Millionen Kartenanfragen berichtete er beim damaligen Kongress des Weltverbands im kanadischen Vancouver. Bei den beiden vorangegangenen Weltmeisterschaften in Russland und Katar seien es insgesamt 50 Millionen Anfragen gewesen. Die Preispolitik verteidigte der 56-Jährige zuletzt als marktgerecht.
Wie viele deutsche Fans werden erwartet?
Für die von der FIFA zur Verfügung gestellten Tickets für die acht möglichen deutschen WM-Spiele gingen beim DFB nach eigenen Angaben insgesamt 63.000 Anfragen ein. Für die erste Vorrundenpartie gegen Curaçao in Houston vertrieb der DFB 3.522 Eintrittskarten. Für das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste in Toronto, dem kleinsten Stadion des Turniers, vertrieb er 2.488, für das dritte gegen Ecuador in New Jersey 4.788 Tickets. Wie viele Fans sich noch mit Karten über den Zweitmarkt eingedeckt haben, ist nicht bekannt.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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