
Vor drei Monaten hatte Carlos Queiroz noch ganz andere Pläne für diesen Sommer. Vielleicht Urlaub machen, Cocktails schlurfen und seinen Ruhestand genießen. Schließlich hatte der 73-Jährige nach der verpassten WM-Qualifikation mit dem Oman Ende März gerade seinen Job als Nationaltrainer des arabischen Sultanats quittiert.
Doch nur wenige Tage später ereilte den Weltenbummler ein Hilferuf aus Ghana. Die Westafrikaner waren nach der Trennung vom ehemaligen Bundesligaprofi Otto Addo im Anschluss an das 1:2 im WM-Test gegen Deutschland auf der Suche nach einem neuen Coach. Queiroz zögerte nicht lange - und sitzt in diesen Tagen einmal mehr bei einer Fußball-Weltmeisterschaft auf der Trainerbank statt irgendwo am Strand.
Mit dem Sechzehntelfinale gegen Kolumbien um Bayern-Star Luis Diaz am Samstag (03.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Kansas City nimmt die XXL-Endrunde für den Portugiesen erst so richtig Fahrt auf. "Die Gruppenphase war nur ein Aufwärmen für die K.-o.-Runde. Jetzt beginnt die WM. Der Sieger bekommt alles, der Verlierer geht leer aus. Das bedeutet: In jedem Spiel steckt pures Drama", sagte er.
Fußball-Lehrer mit ganz viel Erfahrung
Queiroz weiß, wovon er spricht, erlebt er doch bereits seine fünfte Weltmeisterschaft. Das haben vor ihm nur der legendäre Bora Milutinovic und der Brasilianer Carlos Alberto Parreira, der sogar bei sechs WM-Endrunden dabei war, geschafft.
Während viele andere Fußball-Lehrer froh sind, wenigstens einmal in ihrer Karriere eine Nationalmannschaft trainieren zu dürfen, ist das für Queiroz Normalität. Ghana ist bereits die neunte Nation, bei der er in der Verantwortung steht. Über 260 Länderspiele hat er auf dem Buckel - und dabei bisher 137 Siege gefeiert. Mehr als jeder andere Auswahl-Trainer auf der Welt.
Kein Wunder, dass sich Queiroz Anfang April bei seiner Vorstellung in Ghana selbst als Gewinnertyp bezeichnete. "Die Sprache, die ich beherrsche, ist die Sprache des Siegens. Ich bin ein Trainer, der auf Erfolg programmiert ist", sagte er voller Überzeugung.
Gute Balance zwischen Abwehr und Angriff
Die hat er den Black Stars innerhalb kurzer Zeit implementiert - und dazu eine stabile Defensiv-Taktik, an der in der Vorrunde schon die Engländer um Star-Stürmer Harry Kane verzweifelten. Auch Otto Addo, der die WM trotz seines Rauswurfs Ende März als Mitglied einer FIFA-Kommission vor Ort erlebt, ist die gute Arbeit seines Nachfolgers nicht verborgen geblieben.
"Ghana ist nicht nur physisch sehr stark. Sie sind auch taktisch klug aufgestellt und haben sehr viele intelligente Spieler wie Thomas Partey dabei. Und sie können von der Bank immer noch Spieler bringen, die schnell und stark in 1:1-Situationen sind", lobte der 51-Jährige und prophezeite: "Das wird ein sehr interessantes Spiel."
Ghana will erneut Geschichte schreiben
Kolumbien sollte also gewarnt sein. Zumal Queiroz, der einst auch bei Real Madrid und Manchester United arbeitete, mit Ghana noch viel vorhat bei dieser WM. "Die Qualifikation für die K.-o.-Runde ist nicht das Endziel. Sie ist lediglich die Eintrittskarte, die man sich verdient hat, um in dieser Phase des Wettbewerbs dabei zu sein. Jetzt muss man den Preis dafür zahlen, diese Karte in der Tasche zu haben", forderte er von seinen Schützlingen maximalen Einsatz im Duell mit den noch ungeschlagenen Südamerikanern.
Der erfahrene Coach weiß: In dem Land mit etwa 35 Millionen Einwohnern ist die Sehnsucht nach einem ähnlichen Erfolg wie 2010 groß. Damals stürmte Ghana bis ins WM-Viertelfinale und scheiterte dort höchst unglücklich im Elfmeterschießen an Uruguay. Queiroz nahm seine Spieler daher in die Pflicht: "Jeder muss alles in die Waagschale werfen, alles geben und die K.-o.-Phase mit diesem Geist von Unterhaltung, Drama und Emotionen bestreiten."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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