
Tausende Menschen haben bei einer Demonstration in Hamburg mehr Schutz für Opfer von Gewalt gegen Frauen gefordert. "Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln", war auf Plakaten zu lesen. Überraschend trat am Donnerstagabend Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes als Rednerin auf. Die Aktion am Rathausmarkt wurde unter anderem von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Kolumnistin Alexandra Zykunov unterstützt.
Warum hatte Fernandes ihren Auftritt ursprünglich abgesagt?
"Ich stehe jetzt hier mit einer schutzsicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme", sagte Fernandes, deren Stimme während ihrer etwa dreieinhalbminütigen Rede mehrfach stockte. "Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan." Immer wieder brandete bei der kurzen Rede lauter Jubel auf. "Danke Collien", stand auf dem Pappschild einer Demonstrantin.
Was war der Auslöser für die Demo?
In der vergangenen Woche gab es Demos gegen Gewalt an Frauen in verschiedenen Städten in Deutschland. Hintergrund der aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".
Welche Forderungen wurden geäußert?
Viele Demo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zeigten sich wütend und betroffen. Sie kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein großes Thema sei und keineswegs abgenommen habe. Auf Plakaten forderten sie zum Beispiel "Die Scham muss die Seite wechseln" oder "Jeder kennt ein Opfer, keiner kennt einen Täter". Lena Jensen ist Influencerin und selbst von Gewalt Betroffene. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir brauchen Änderungen im Strafrecht, wir brauchen Hilfe für Betroffene. Das ist ein strukturelles Problem, die Liste ist lang."
Wie war die Stimmung bei der Demo in Hamburg?
Die Kundgebung trug den Titel "Es reicht". Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Initiativen, die sich laut eigenen Angaben gegen Gewalt an Frauen einsetzen. Die Stimmung war kämpferisch und von Solidarität mit Betroffenen geprägt. Redebeiträge gab es unter anderem auch von Aktivistin Luisa Neubauer und Kolumnistin Alexandra Zykunov. Auch Musikerinnen traten auf.
Beteiligen sich auch Politikerinnen an den Demos?
Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) war in der Menschenmenge auf dem Rathausmarkt. "Es braucht jetzt ganz viele starke Stimmen, nicht nur heute, sondern auch in den nächsten Wochen und Monaten, um dieses Thema richtig nachhaltig großzumachen - nicht nur in den Gesetzen, sondern vor allen Dingen auch in vielen, vielen Köpfen", sagte sie dpa.
Bei einer Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt bereits am Mittwoch in Hannover sagte die Grünen-Politikerin und ehemalige Parteivorsitzende Ricarda Lang: "Wir brauchen jetzt eine Änderung der Gesetzeslage, um alle diese Frauen zu schützen." Deutschland dürfe nicht länger ein "Täterparadies" sein.
Wie viele Menschen haben an der Demo in Hamburg teilgenommen?
Nach Angaben der Veranstalter haben 22.000 Menschen an der Kundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt teilgenommen. Die Polizei spricht von etwa 17.000 Menschen. Damit waren es mehrere Tausend mehr als bei einer Großdemonstration in Berlin am vergangenen Sonntag.
Sind weitere Demos geplant?
Ja, es soll bundesweit weitere Kundgebungen geben. Am Samstag zum Beispiel ist eine Demonstration in Köln angekündigt, am Montag in Frankfurt am Main.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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