
Ist das ein Rotmilan? Dahinten fliegt ein Reiher! Hörst du den Gesang der Grauammer? Für die meisten Jugendlichen sind das eher ungewöhnliche Sätze. Für die zehn jungen Leute, die an einem Sonntagabend auf dem ehemaligen Gelände des Flughafens Tegel in Berlin stehen und mit Ferngläsern in die Luft gucken, nicht. Sie sind zwischen 12 und 26 Jahren alt - und sie sind Vogel-Vollprofis.
"Seit ich im Young Birders Club bin, gehe ich ungefähr jedes Wochenende raus", sagt Ole, 12 Jahre alt. Birding heißt so viel wie Vogelbeobachtung, klingt aber ein bisschen cooler. Deutschlandweit hat der Nabu etwa fünf dieser Gruppen. In Berlin ist Ole der Jüngste. "Meine Freunde finden mich auch ein bisschen verrückt, weil ich recht früh aufstehe."
Ole und die anderen Jugendliche räumen mit einem weit verbreiteten Klischee auf: Dass Vogelbeobachten etwas für alte Männer in Trekking-Outfits sei. Auf Instagram und YouTube gibt es immer mehr junge Influencer, die ihre Beobachtungen teilen und über Vögel aufklären. Über Apps vernetzt sich die Szene miteinander, teilt ungewöhnliche Sichtungen, organisiert Treffen.
Laut einer Studie aus Großbritannien, über die die britische Zeitung "Guardian" berichtet hat, ist Vogelbeobachtung nach dem Schmuckbasteln das am zweitschnellsten wachsende Hobby der Generation Z. Fast 750.000 Angehörige dieser Generation der zwischen 1995 und 2010 Geborenen in Großbritannien beobachten demnach regelmäßig Vögel.
Immer mehr Frauen finden Gefallen an dem Hobby
Vergleichbare Zahlen gibt es für Deutschland nicht, aber: "Auf jeden Fall sinkt das Alter", sagt Christopher König vom Dachverband Deutscher Avifaunisten. "Lange Zeit hatte das Hobby den Ruf, dass das nur alte Männer in komischen Klamotten machen." Doch inzwischen gebe es immer mehr junge Vogel-Enthusiasten. "Auch der Frauenanteil nimmt zu über die Jahre."
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel holt Cora ihr Spektiv raus. Die 18-Jährige geht in der Regel mindestens einmal in der Woche Birden, inklusive Kamera, Fernglas und Audiorekorder für Vogelstimmen. Auf ihrem Handy hat sie ein PDF eines sehr detaillierten Handbuchs für europäische Vögel - leider nur auf Holländisch.
"Ich habe mich generell schon viel für Natur interessiert. Dann habe ich irgendwann ein Fernglas geschenkt bekommen. Dann war Corona und ganz ganz viel Zeit, um draußen zu sein", erzählt Cora. Wenn man die Jugendlichen fragt, wie sie zum Birden kamen, fällt häufig das Stichwort Corona. Auch die 18-jährige Charlotte ist während der Pandemie aus Langeweile mehr rausgegangen und entdeckte so ihre Begeisterung für Natur und Vögel. "Mir macht es Spaß, weil es ein Weg ist, draußen zu sein." Für sie sei es auch ein guter Ausgleich zum Smartphone.
Es ist auffällig, dass die jungen Birder während der dreieinhalbstündigen Exkursion fast gar nicht aufs Handy schauen. Die Unterhaltungen werden höchstens von begeisterten Ausrufen und einem in die Höhe schnellenden Finger unterbrochen, wenn jemand einen Vogel entdeckt.
Manchmal folgt beim näheren Hinsehen Ernüchterung: "Ah, das ist eine Taube." Doch es sind auch einige Highlights dabei. "Stopp, eine Weihe!", ruft Gruppenleiter Manuel Tacke einmal plötzlich. Lauter Ferngläser richten sich zum Himmel. Teilnehmer Theo hat eine Kamera mit riesigem Objektiv und versucht den Vogel wie ein Paparazzo aufs Bild zu kriegen. Später stellt sich heraus, dass das am Himmel eine Wiesenweihe war, ein sehr seltener Brutvogel, der so gut wie nie in Berlin gesichtet wird.
Der Reiz des Analogen zählt zu den Gründen, warum das Hobby gerade bei jungen Menschen Anklang findet. In einer stressigen Welt tue es einfach gut, in der Natur zu sein, sagt Laura Muschiol, Co-Leiterin des Young Birders Clubs. "In der aktuellen Weltlage ist es, glaube ich, total wohltuend, zu sehen, dass bestimmte Sachen immer wieder kommen. Der Vogel, den ich bei mir im Park habe, der ist auch dieses Jahr wieder da, egal, was in den Nachrichten gerade abgeht. Und das ist auch ein bisschen was Tröstendes, glaube ich", sagt die 33-Jährige. Die Jugendlichen träfen sich auch abseits der Touren und beteiligten sich an deutschlandweiten Monitoring-Programmen.
Viele nutzen dafür die Plattform ornitho.de, die vom Dachverband Deutscher Avifaunisten betrieben wird. Auch Hobby-Ornithologinnen und Ornithologen können sich dort registrieren und ihre eigenen Beobachtungen eintragen, wenn möglich, mit Foto und Tonaufnahme. Unterwegs geht das über die App Naturalist. 500 sogenannte Regionalkoordinatoren sichten die eingehenden Beobachtungen und überprüfen sie auf ihre Plausibilität.
Tausende Vogel-Meldung pro Tag
"Wir sind begeistert, wie hoch der Zuspruch ist", sagt König. Allein vergangenes Jahr hätten sich 6.000 Menschen neu bei Ornitho registriert. "Das ist ein neuer Rekord." Bei gutem Wetter würden pro Tag teilweise mehr als 100.000 Meldungen eingehen. "Wir merken in den letzten Jahren auf jeden Fall einen Zustrom." In der Pandemie ging es so richtig los. Die Begeisterung für Vögel hielt auch danach an.
Für die Wissenschaft ist das ein Gewinn, sagt König. Zusätzlich zu offiziellen Zählungen helfen die Daten von Hobby-Ornithologen, Bestandsveränderungen zu bemerken, wie der Biogeograph erklärt. Vor allem Vögeln der Agrarlandschaften gehe es in Deutschland schlecht. "Da haben wir Arten, die sehr, sehr stark zurückgegangen sind." Beispiele seien das Rebhuhn, die Feldlerche oder der Kiebitz.
Die jungen Hobby-Ornithologinnen und -Ornithologen aus Berlin haben bis zum Ende ihres Ausflugs zwei Kiebitze entdeckt. Auch sonst ist ihre Liste beeindruckend: 45 verschiedene Vogelarten stehen darauf, darunter 7 Mauersegler, 150 Nebelkrähen, 5 Braunkehlchen - eine stark gefährdete Art -, 6 Steinschmätzer, 2 Schwarzmilane und ein Girlitz. Selbstverständlich haben sie alle Beobachtungen online gemeldet.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Panorama":
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
Wetter in Berlin: Starke Hitze: Polizei erhöht Präsenz in der Stadt26.06.2026 - 2
Bahn: Nach Zugunglück: Kran stürzt auf Schnellstraße bei Bangkok15.01.2026 - 3
Eilmeldung: Spanien gewinnt WM-Titel - 1:0 gegen Messis Argentinien20.07.2026 - 4
Hamburg: Fake-Polizistinnen in anzüglichen Posen im Netz18.12.2025 - 5
Eurovision Song Contest 2026: Sarah Engels: Deutschlands ewig Unterschätzte15.05.2026
Ähnliche Artikel
NFL 2026: Tennessee Titans 15:24 Chicago Bears31.08.2026
Technoparty: Nach Schüssen: Deutsche unter Verletzten des Schweizer Raves31.08.2026
FC Schalke 04: Statistik, News, Ergebnisse und nächste Gegner in der Bundesliga31.08.2026
SC Paderborn 07: Ergebnisse in der Bundesliga und News im Überblick31.08.2026
SV 07 Elversberg: Statistik, News, Ergebnisse und nächste Gegner in der Bundesliga31.08.2026
Fußball News: Deutscher Mittelstürmer schießt Monaco an die Tabellenspitze31.08.2026
Unglück: Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen - Acht Tote30.08.2026
Dortmund: Ittlinger/van de Velde und Ehlers/Wüst holen Meistertitel30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Schüsse bei Rave-Event: Spuren von mindestens zwei Waffen30.08.2026
Norwegischer Monarch: König Harald wird am 9. September beigesetzt30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Nach Schüssen bei Rave-Event: Täter noch nicht identifiziert30.08.2026
Weltmeisterschaft: Deutsche Hockey-Herren verteidigen WM-Titel30.08.2026
Hamburger SV News: Schock nach Startsieg: Kreuzbandriss bei neuem BVB-Star30.08.2026
Vuelta a España 2026: Nach Pogacar-Aus: Mas baut Führung mit Etappensieg aus30.08.2026
Hamburger SV News: Kreuzbandriss: Konstantelias fehlt Dortmund monatelang30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Außenministerium: Todesopfer in der Schweiz ist Italienerin30.08.2026
Basketball: WM-Ticket fast sicher: Schröder-Team mit Zittersieg in Polen30.08.2026
Tennis News: Zwei deutsche Profis bei US Open im Einsatz30.08.2026
Hitze und Trockenheit: Wetterdienst stellt Sommer-Bilanz vor30.08.2026
Sternschnuppen, Herbstmond und XXL-Asteroiden: Diese Himmelsspektakel erwarten uns im September 202630.08.2026



















