
Zehn Schüsse, sieben Treffer - trotzdem hat das Opfer überlebt. Was als eiskalte Hinrichtung auf der Düsseldorfer Kaiserstraße geplant schien, scheiterte an der Kunst der Ärzte in der Landeshauptstadt. Sie retteten dem 40 Jahre alten Opfer mit einer Notoperation das Leben.
Der Prozess um den Mordanschlag auf den Neffen eines berüchtigten Drogenbosses startet an diesem Montag in Düsseldorf unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Das Landgericht zieht dafür sogar in den Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts um.
Das Opfer trägt einen Nachnamen, der bei vielen Menschen blanke Furcht auslöst. Es ist der Neffe von Hüseyin B., der auch "Pablo Escobar Europas" oder einfach der "Pate" genannt wird. Seit rund 28 Jahren sitzt der kurdisch-türkische Drogenboss in den Niederlanden im Gefängnis.
Folterkammer im Obergeschoss
Ermittler hatten Telefonate mitgeschnitten, in denen er reihenweise Mordaufträge erteilte. Britischen Medien zufolge soll Hüseyin B., der in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, mit Heroinhandel Milliarden verdient haben. In seinem Haus in London, wo er eine Weile lebte, sei später eine schallisolierte Folterkammer entdeckt worden.
Während des Prozesses gegen einen Cousin von B. am Landgericht Bonn hätten nach massiven Drohungen sämtliche Richter unter Personenschutz gestanden, berichtete der "Bonner General-Anzeiger" damals.
Kundgebung vor dem Konsulat
B.s Neffe war am 30. Dezember 2025 nach Düsseldorf gereist, um vor dem niederländischen Generalkonsulat für die Freilassung seines berüchtigten Onkels zu demonstrieren.
Schon dort sei er beobachtet worden, fanden die Ermittler heraus. Als er nach der Kundgebung in einem Taxi die Heimreise antrat, seien ihm drei Männer in einem Auto gefolgt. Schon bald habe der Wagen das Taxi auf einer vierspurigen Nord-Süd-Verbindung Kaiserstraße überholt.
Zwei Männer seien aus dem Auto gesprungen. In unmittelbarer Nähe des NRW-Finanzministeriums hätten sie das Feuer eröffnet. Während der 40-Jährige von sieben Kugeln getroffen wird, bleiben der Fahrer und die zwei weiteren Insassen des Taxis unverletzt.
Wer wollte dem Neffen ans Leben?
Ermittler vermuten hinter dem Mordanschlag einen seit Jahren gewalttätig ausgetragenen Streit unter kriminellen Banden, der in der Türkei seinen Ursprung haben soll und sich von dort über Europa ausgebreitet hat.
Die "Daltons" hätten sich mit weiteren Banden zusammengetan, um dem B.-Clan zuzusetzen, verrät ein Ermittler. Man gehe davon aus, dass dies auch der Hintergrund für die aufsehenerregende Bluttat in Düsseldorf sei.
Drei Männer werden am Montag aus der Untersuchungshaft auf die Anklagebank gebracht. Zwei von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vor, dem dritten Beihilfe dazu. Ein vierter Verdächtiger wird noch gesucht. Die Anklage wurde Anfang Juni erhoben.
Ihr zufolge waren ein 39-jähriger Syrer und ein 22-jähriger Türke die Männer, die am 30. Dezember 2025 in Düsseldorf schossen. Der 39-Jährige war im niedersächsischen Hameln von Spezialkräften festgenommen worden, der 22-Jährige in Gelsenkirchen. In seiner Wohnung waren ein Sturmgewehr und eine weitere Schusswaffe sichergestellt worden.
Vierter Verdächtiger ist flüchtig
Dem Duo wird nicht nur versuchter Mord, sondern auch der Einsatz von Kriegswaffen zur Last gelegt. Ein 37-Jähriger soll ihnen sein Auto als Tat- und Fluchtwagen zur Verfügung gestellt haben. Er ist wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt. Nach dem Mann, der zur Tatzeit am Steuer saß, wird noch gesucht.
Rechtsanwalt Ali Mojab aus Bad Oeynhausen vertritt einen der mutmaßlichen Schützen: "Mein Mandant ist unschuldig und hat mit diesen Leuten nichts zu tun", sagt er. Weitere Verteidiger ließen Anfragen zunächst unbeantwortet.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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