
Eine Geiselnahme in einem Supermarkt im Berliner Süden ist nach fast zwölf Stunden am Samstagmorgen von der Polizei beendet worden. Um 9.20 Uhr erfolgte der Zugriff, nachdem der Geiselnehmer nicht durch Gespräche zum Aufgeben bewegt werden konnte. "Der Täter ist überwältigt und die Geisel befreit", sagte Polizeisprecher Florian Nath der Deutschen Presse-Agentur. Rettungskräfte der Feuerwehr brachten sie in ein Krankenhaus.
"Die Frau ist wahrscheinlich durch ein Martyrium gegangen", so Nath. Sie blieb nach Angaben der Staatsanwaltschaft nahezu unverletzt. "Glücklicherweise ist hier niemand größer zu Schaden gekommen. Es gibt keine schwereren Verletzungen, die laut aktuellem Stand zu beklagen wären", ergänzte der Polizeisprecher.
Mutmaßlicher Täter auch im Krankenhaus
Auch der mutmaßliche 29-jährige Geiselnehmer kam ins Krankenhaus. Er wurde nach Polizeiangaben bei dem Zugriff leicht verletzt. Schusswaffen kamen dabei nicht zum Einsatz, wie Nath sagte. Es sei ein sogenannter Taser eingesetzt worden. Solche Geräte sollen Menschen durch elektrische Impulse kurzzeitig bewegungsunfähig machen.
Der Mann hatte die Frau kurz nach 22.00 Uhr am Freitagabend in dem Rewe-Markt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt gebracht und mit einem Messer bedroht. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Der 29-Jährige soll türkischer Staatsangehöriger sein. Nach der Tat wurde der Mann zunächst in ein Krankenhaus gebracht und später in Polizeigewahrsam genommen. Am Sonntag sollte er laut Staatsanwaltschaft einem Haftrichter vorgeführt werden.
Ein Pressesprecher von Rewe sagte, man sei "von den Ereignissen in einem unserer Märkte in Berlin bestürzt". Das Mitgefühl gelte den betroffenen Mitarbeitern und Kunden. Zu der Mitarbeiterin wollte der Konzern keine weiteren Angaben machen. "Aus Rücksicht auf die betroffenen Personen können wir derzeit keine weiteren Angaben machen", hieß es vom Sprecher.
Hintergründe der Tat unklar
Nach ersten Erkenntnissen sollen der mutmaßliche Geiselnehmer und die Geisel vor der Tat in keiner Beziehung zueinander gestanden haben. Der Mann habe verschiedene Forderungen gestellt, hieß es von der Polizei. "Das waren Impulsforderungen, die sich im schwer nachvollziehbaren Bereich abgespielt haben", so Nath. Sie hätten keinen "akribischen Tatplan widergespiegelt".
Die Situation wurde offensichtlich nach den vielen Stunden zunehmend kritisch. "Wir sind froh, dass wir professionell und zielgerichtet gegen den Tatverdächtigen hier schnell vorgehen konnten, weil ein Zugreifen hier jetzt unbedingt notwendig war", sagte Nath später in einem Statement, das die Polizei auf der Plattform X veröffentlichte.
Mitarbeiter berichtet von Messer
Ein Mitarbeiter des Rewe-Marktes schilderte, wie er die Geiselnahme am Freitagabend aus nächster Nähe miterlebt hat. "Ich bin geschockt", sagte der 22-Jährige zu mehreren Journalisten. Der Supermarkt sei am Freitagabend kurz vor der Schließung gewesen. Er habe die übrigen Kunden rausschicken wollen, als ein Mann ein Messer gezogen habe. "Das Messer war schon sehr groß", berichtete er.
Er arbeite als Minijobber in der Filiale, erklärte der junge Mann. "Ich habe nicht viel gesehen, es ist alles sehr schnell passiert. Man konnte auch nicht viel erkennen." Das "funkelnde Messer" habe er aber gesehen. Er sei dann mit einer anderen Mitarbeiterin rausgelaufen und habe die Polizei gerufen.
Supermarkt großräumig abgesperrt
Der Rewe-Supermarkt in der Hildburghauser Straße, an der Ecke zum Tirschenreuther Ring, war während der Geiselnahme großräumig abgesperrt, wie Reporter vor Ort berichteten. Neben dem Spezialeinsatzkommando (SEK) waren zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr vor Ort. Am frühen Morgen stellten die Beamten eine Leiter ans Gebäude und verschafften sich einen Blick in den Markt, wie ein dpa-Reporter beobachtete.
Eine Gefahr für Anwohnerinnen und Anwohner habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, hieß es von der Polizei. Nachdem die Geiselnahme beendet war, sicherten Polizisten vor Ort Spuren. Mögliche Zeugen wurden befragt. Die Ermittlungen würden nun von der Staatsanwaltschaft Berlin übernommen, so Polizeisprecher Nath.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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