
Nach dem Hauseinsturz in Görlitz vor knapp zwei Wochen ist die genaue Ursache für das Unglück weiter unklar. Behörden und Stadt vermuten Erdgas als Ursache für die Explosion, die nach aktuellen Erkenntnissen die Tragödie mit drei Todesopfern in der James-von-Moltke-Straße verursacht hat. Das wirft die Frage auf, wie es um die Sicherheit des Gasnetzes für andere betroffene Menschen in Sachsen bestellt ist.
Wie wahrscheinlich ist ein Unglück wie in Görlitz in Sachsen?
Nach Einschätzung von Fachleuten sind schwere Gasunfälle äußerst selten. Mitnetz Gas, der größte Gasnetzbetreiber in Sachsen, beschreibt Gasleitungen als "im Regelfall sicher" und bezeichnet einen Vorfall wie den in Görlitz als "äußerst selten". Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) spricht von einer Wahrscheinlichkeit, die mit dem Tod durch Blitzschlag vergleichbar sei.
René Hobusch, Präsident des Hauseigentümerverbandes Haus & Grund in Sachsen, schließt technische Defekte trotz aller Wartungen und Pflichten der Hauseigentümer nicht ganz aus: "Man kann etwas übersehen." Der Mensch selbst sei dabei immer ein Unsicherheitsfaktor. Gerade bei Ferienwohnungen, wie in dem in Görlitz betroffenen Gebäude, sei auch die Gefahr von Bedienungsfehlern und dem Übersehen von Mängeln durch häufig wechselnde Bewohner erhöht.
Wie viele Menschen in Sachsen sind betroffen?
Nach Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Zensus 2022 gibt es in Sachsen 861.100 Gebäude mit Wohnraum – mehr als die Hälfte davon, rund 468.000, werden mit Gas beheizt. Bemerkenswert ist auch das Alter des Bestands: Mehr als die Hälfte aller sächsischen Wohngebäude wurde vor 1949 errichtet. Die meisten dieser Häuser stammen sogar aus der Gründerzeit vor 1919 – so wie das eingestürzte Gebäude in Görlitz.
Einen generellen Zusammenhang zwischen Alter und Unsicherheit sehen die Fachleute allerdings nicht. Der DVGW betont, dass auch ältere Gasinstallationen sicher betrieben werden können, wenn sie fachgerecht installiert, regelmäßig überprüft und gewartet werden.
9.618 aller rund 2,3 Millionen Wohnungen in Sachsen werden den Zahlen zufolge als Ferien- und Freizeitwohnungen genutzt so wie das betroffene Gebäude in Görlitz - das entspricht einem Anteil von weniger als einem halben Prozent.
Wer ist für die Sicherheit der Leitungen zuständig?
Die Verantwortung ist klar zweigeteilt. Netzbetreiber wie Mitnetz Gas sind zuständig für das Leitungsnetz bis zum Gashausanschluss am Gebäude. Alles dahinter – die Leitungen im Haus, die Therme, die Etagenheizung – liegt in der Verantwortung des Eigentümers.
Wer vermietet, kann die Wartungs- und Nachweispflicht zwar vertraglich auf den Mieter übertragen – davon rät Haus-&-Grund-Präsident Hobusch jedoch ab: "Da empfehle ich, das lieber selber in eigener Verantwortung zu lassen." Denn wer die Wartung delegiere, gebe zugleich die Kontrolle darüber ab, ob sie tatsächlich stattfinde.
Was müssen Hauseigentümer konkret tun?
Eigentümer sind gesetzlich verpflichtet, ihre Gasanlage jährlich durch einen Fachhandwerker warten zu lassen, so Hobusch. Zusätzlich taucht der Schornsteinfeger regelmäßig für Abgasmessungen und Kontrollen auf. Hauseigentümer müssen diese Kontrollen und etwaige Reparaturen im Zweifel nachweisen können, so Hobusch.
Damit ein Gasaustritt frühzeitig erkannt wird, wird dem Erdgas ein Duftstoff zugesetzt. Wer Gasgeruch wahrnimmt, ist sofort zum Handeln verpflichtet: Fenster auf, keine elektrischen Schalter betätigen, Netzbetreiber über die Störungsnummer anrufen – die steht in der Regel direkt auf dem Gaszähler, heißt es vom Netzbetreiber Mitnetz. "Wenn Sie feststellen, da riecht etwas nach Gas, es gibt vielleicht eine Undichtigkeit – dann sind Sie als Eigentümer verpflichtet, darauf zu reagieren und einen Installateur hinzuzuziehen", so Hobusch.
Wie kontrollieren Netzbetreiber ihre Leitungen – und wie alt sind sie?
Mitnetz Gas überprüft nach eigenen Angaben jährlich turnusmäßig hunderte Ortsnetze, Anlagen und Hauseingangsleitungen. Ergänzend führt das Unternehmen sogenannte Haustests durch, bei denen die Raumluft in Kellern und Hausanschlussräumen gemessen wird – überall dort, wo Gasleitungen durch Mauern verlaufen. Häufigste Ursache für Schäden an Leitungen sind in der Regel "unsachgemäße Arbeiten" und "Manipulationen an Gasleitungen", so der Netzbetreiber Mitnetz. Auch Baggerarbeiten auf privaten Grundstücken führten gelegentlich zu Beschädigungen, so der Netzbetreiber. Im Jahr 2026 investiert Mitnetz Gas nach eigenen Angaben rund 54 Millionen Euro in Bau, Erneuerung und Betrieb seines Netzes, mit besonderem Fokus auf ältere Leitungsabschnitte.
Auch die Stadtwerke Görlitz prüfen ihr gesamtes Netzgebiet im Zweijahresrhythmus auf Sicherheit und Funktionsfähigkeit, teilt das Unternehmen auf dpa-Anfrage mit. Wie alt der Leitungsbestand in Görlitz konkret ist, teilte das Unternehmen nicht mit. Nur soviel: Das Alter sei "kein direkter Indikator für den Zustand". Denn Abschnitte würden kontinuierlich erneuert, auch ohne alte Leitungen auszugraben. Moderne Verfahren wie die sogenannte Inliner-Technologie machten dies möglich. Dabei wird eine neue Kunststoff- oder Schlauchleitung in das bestehende Rohr eingeschoben.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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