Nach einer Busfahrt durch die bayrische Nacht und wenig Schlaf richtete Jürgen Klopp den Blick nach vorn. Seinen Premierensieg als Bundestrainer nimmt er mit als Faustpfand zum spannenden Abschluss des intensiven Viererpacks in der Nations League am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) nach Griechenland.
Das 2:0 gegen Serbien hatte Klopp die Rhetorik entlockt, die ihn mindestens so stark kennzeichnet, wie seine Fußball-Idealvorstellung. "Heute waren die Jungs auf Krawall eingestellt", frohlockte der 59-Jährige und rühmte die aggressive Spielweise. "Und dadurch war es dieses tolle Spiel."
Doch die Abschlussprüfung seines Starts als DFB-Chefcoach hat es in sich. In Thessaloniki soll jetzt die Revanche für das 0:1 von Augsburg gelingen und die Grundlage für den Einzug ins Viertelfinale des UEFA-Wettbewerbs gelegt werden. Wieder mit typischem Klopp-Fußball.
Warum war Klopp so erleichtert über den Sieg?
In einem Nebensatz gab der Bundestrainer nach seinem Premierensieg einen Einblick in seine Gefühlswelt, der mehr verriet, als alle Jubelposen. "Dummerweise", habe er sich schlecht gefühlt nach der Niederlage gegen Griechenland, gestand er. Doch jetzt? "Ich fühle mich überragend, weil ich total happy und stolz bin auf das, was die Jungs da hingehauen haben."
Gegen Serbien stand viel auf dem Spiel. Und es ging "alles" auf, wie Klopp konstatierte. Gegenpressing. Tempo. Aggressivität. Das sind die Attribute, die der 59-Jährige von seinem Team verlangt. Den Faktor Zeit als Gegenspieler hat Klopp schnell anerkennen müssen. Dass dieser als Ausrede wahrgenommen wird, war das Risiko. Doch jetzt ist klar: Der Klopp-Weg könnte klappen.
Der Gegner war zwar nur Serbien. Ein Team, das Probleme haben wird, den Abstieg in der Nations League zu vermeiden. Aber auch international wurde der deutsche Stimmungsumschwung bemerkt. Die französische Fachzeitung "L'Équipe" sah den von Klopp propagierten "Heavy-Metal-Fußball".
Was hat besonders gut funktioniert?
Dieses Mittelfeld-Trio macht richtig Spaß. Aleksandar Pavlovic als Stratege, Tom Bischof als Mister Überall und natürlich Florian Wirtz: Torschütze und Vorlagengeber für Bischof. Ein endlich wieder befreit aufspielender Zauberer. Gerade das Zusammenspiel der Drei war ein Zündfunke.
Kein horizontales Ballgeschiebe, keine Chip-Bälle ins Nichts. Drauf auf den Ball. Vertikal in die gefährlichen Räume. Mit Tempo auf die Außenbahnen. So soll er aussehen der Fußball Marke Klopp. Der Bundestrainer sprach es nicht konkret aus, deutete es aber an: Das war ein Stück deutsche Fußball-Zukunft in der Gegenwart.
Gibt es jetzt eine Diskussion um Kapitän Kimmich?
Gleich in der ersten Frage bei der Pressekonferenz witterte Klopp den Versuch, einen negativen Dreh für Joshua Kimmich zu konstruieren. Und er wehrte sich sofort dagegen. Er selbst hatte zuletzt nicht immer den Eindruck vermittelt, der DFB-Kapitän sei sakrosankt, also gesetzt. Er verzichtete schließlich freiwillig auf den Anführer, machte ihn in München zum Fan auf der Tribüne.
Doch eines wollte Klopp klarstellen. Der Power-Auftritt des jungen, zweiten Kaders habe nichts mit der Lage für die Etablierten zu tun. Er braucht Kimmich im Zentrum. Er braucht alle verfügbaren Kräfte. Für Klopp geht es um den Spielstil, nicht um die Personen.
"Der Fußball muss konstant bleiben, die Aufstellung kann es nicht, weil Spieler sich verletzen. Das passiert ständig im Laufe einer Saison. Wenn dann einer ausfällt und wir stehen dann da und gucken doof und sagen, okay, wir könnten nur so spielen, wenn der und der auf dem Platz ist, dann macht das ja keinen Sinn", dozierte der Bundestrainer. An Kimmich gäbe es keinen Zweifel.
Wie ist die Lage der vielen Neulinge?
Zehn Profis hat Klopp in seinen ersten drei Bundestrainer-Partien zu Nationalspielern gemacht. Fünf waren es allein gegen Serbien. Torwart Jonas Urbig, Derry Scherhant, Said El Mala, Mika Baur und Vitaly Janelt. "Ich bin total happy, dass wir die Jungs eingeladen haben, dass wir sie gesehen haben."
Er hob speziell auf Baur ab, der nebenbei noch zum 1.000. Nationalspieler in der DFB-Historie wurde. Dass sich der eher schmächtige Profi in der rauen schottischen Liga bei Celtic Glasgow durchsetzt, imponiert dem Bundestrainer.
Gegen Griechenland gibt es noch ein paar Kandidaten: Felix Keidel, Finn Jeltsch sowie die Torhüter Finn Dahmen und Noah Atubolu sind noch ohne DFB-Einsatz. Wer im November wiederkommen darf, das ist offen.
Warum ist das Griechenland-Spiel jetzt besonders wichtig?
Es ist wieder alles drin in der Nations League. Bei vier Punkten sind die Niederlande (5 Punkte) und Griechenland (7) in Sichtweite. Und am Sonntag geht es zum Tabellenführer nach Thessaloniki. Da ist noch eine Rechnung offen nach dem 0:1 von Augsburg. Auf eine öffentliche Taktikbesprechung für die schnelle Revanche hatte Klopp vor der nächtlichen Busfahrt zurück nach Herzogenaurach noch keine Lust.
Die Konstellation ist durchaus knifflig. Bei einer Niederlage wäre Platz eins in der Gruppe schon weg. Griechenland könnte nicht mehr eingeholt werden. Bei einem Sieg hingegen geht es mit großem Schwung ins Gruppenfinale im November. Dann kann das Viertelfinale aus eigener Kraft erreicht werden.
Was hat Klopp noch gefreut?
Eigentlich wollte Klopp schon Feierabend machen. Eine Zusatzfrage gestattete er noch. Und die machte ihn dann besonders happy. Die Stimmung in der Allianz Arena, die neue Verbindung zu den Fans. Das machte den Premierensieg für ihn zusätzlich speziell. "Das war ein Traumbild", beschrieb er das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer. Da sei ihm "das Herz aufgegangen".
Die Verbindung mit den Fans, das ist ein Lieblingsthema für den Bundestrainer. "Das ist das, was wir natürlich brauchen. Wir müssen Zeichen setzen, wir werden Zeichen setzen", versprach Klopp.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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