
Nach gut zwei Wochen großer Gefühlsoper verlässt das Spektakel Winter-Olympia Italiens Bühnen. Für die bitteren Tränen war diesmal allzu oft das deutsche Team zuständig, die Geschichten strahlender Helden erzählten meist andere Nationen. Der Theaterdonner kam einmal mehr vom Internationalen Olympischen Komitee mit dem Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch. Als Sound dieser Winterspiele wird der 80er-Jahre-Ohrwurm "Sarà perché ti amo" von Ricchi e Poveri unvergessen bleiben: "Es wird sein, weil ich Dich liebe". Eine Bilanz der Winterspiele:
Olympische Inseln
Offiziell erstmals zwei Gastgeber, sieben Austragungsorte, viele weite Wege. Diese Winterspiele waren dezentral wie nie zuvor - ein Wagnis im Sinne der IOC-Vorgaben für mehr Nachhaltigkeit. Vor allem die Skirennfahrer fühlten sich in Bormio wie auf einer einsamen Insel und klagten, dass sich ein olympisches Gemeinschaftsgefühl so nicht herstellen ließ. In einigen Athletendörfern wie in Cortina d'Ampezzo waren dagegen die Gratis-Kondome für die Sportlerinnen und Sportler zeitweilig aufgebraucht. An die großen Distanzen wird sich die Wintersport-Welt gewöhnen müssen. In Frankreichs Alpen 2030 sieht das Konzept sehr ähnlich aus.
Italienische Herzlichkeit
So mancher hatte klischeehaft an italienischer Organisationskunst gezweifelt. Mailands Eishockeytempel funkelte ziemlich unfertig auf Brachland und weil die Tramlinie 12 nicht rechtzeitig verlängert wurde, improvisierten die Gastgeber eher mittelgut mit Shuttlebussen. Doch ob gelegentliches Verkehrschaos, Pannen mit kaputten Medaillen oder Stromausfall im Curling-Stadion - mit Gelassenheit und Herz lächelten die Macher der Spiele alle vermeintlichen Sorgen klein.
Grande Emozione
Sportlich machten die Gastgeber sowieso "bella figura". Nie waren die Italiener bei Winter-Olympia erfolgreicher als diesmal. Schon zur Halbzeit hatten sie ihre Bestmarke von 20 Mal Edelmetall übertroffen. Skirennfahrerin Federica Brignone und Eisschnelllauf-Mama Francesca Lollobrigida trieben die Begeisterung für die Heimspiele mit Doppel-Gold in die Höhe. "Dieser Erfolg macht uns so glücklich, weil wir die Früchte jahrelanger harter Arbeit ernten", sagte Organisationschef Giovanni Malagò.
Deutsche Tristesse
Vom Glücksrausch war das deutsche Team weit entfernt. Die Fehlschuss-Tränen von Biathletin Franziska Preuß, das Aus von Skirennfahrerin Lena Dürr am ersten Tor des finalen Slalom-Durchgangs und der Doppel-Sturz von Kombinierer Vinzenz Geiger waren Sinnbilder des Scheiterns.
Frust schoben auch die Fahnenträger: Skispringerin Katharina Schmid war bei ihrem letzten Karriere-Auftritt völlig außer Form, Superstar Leon Draisaitl kassierte mit dem besten deutschen Eishockey-Kader der Geschichte eine Viertelfinal-Klatsche. Eine Medaillenbank war allein der Eiskanal mit Rodlern, Skeletonis und Bobfahrern. Und Ski-Hoffnung Emma Aicher malte zwei Silberstreifen in ein sonst ziemlich düsteres Gemälde.
Erfolgsmenschen
Die größten Medaillenhamster stellten andere Teams. Norwegen festigte seine Position als Wintersport-Supermacht. Der Goldhunger von Ski-Langläufer Johannes Hoesflot Klaebo ist unstillbar, in Tesero stieg er zum erfolgreichsten Athleten in der Geschichte von Winterspielen auf. Im Biathlon gab es französische Festspiele mit Mehrfach-Gold für Julia Simon und Quentin Fillon Maillet. Als Alpin-König durfte sich der dreimalige Olympiasieger Franjo von Allmen aus der Schweiz feiern lassen. Der Norweger Jens Luraas Oftebro räumte alle drei verfügbaren Goldmedaillen in der Nordischen Kombination ab.
Drama-Queen
Die größte Storyline der Spiele lieferte eine, die gar nichts ins Ziel kam: Lindsey Vonn. Ihr Comeback war von viel Kritik begleitet, nach einer starken Weltcup-Saison zog sich die 41-Jährige kurz vor Olympia nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss zu. Sie startete trotzdem - und stürzte nach 13 Sekunden in der Abfahrt von Cortina schwer. Per Hubschrauber ging es in die Unfallklinik, dort wurde eine komplexe Schienbeinverletzung festgestellt. Updates aus dem Krankenhaus hielten die Sportwelt in Atem, ehe sie nach mehreren Operationen in die Heimat flog. Dort angekommen machte sie bekannt, dass kurz nach dem Skidrama ihr geliebter Hund Leo gestorben ist.
Tierisches und Menschliches
Quicklebendig sprintete der Tschechoslowakische Wolfshund Nazgul ins Ziel des olympischen Langlaufstadions. Das zwei Jahre alte Tier war seinem Besitzer ausgebüxt und sorgte während des Teamsprints für kuriose Bilder - Zielfoto inklusive.
Großen Wirbel gab es auch um den norwegischen Biathleten Sturla Holm Laegreid. Nach dem Gewinn von Einzel-Bronze gestand er im Fernsehen einen Seitensprung und bat seine Ex-Freundin um Vergebung. Zunächst ohne Erfolg.
Skandal um einen Helm
Ein Nachspiel könnte für das IOC die Eskalation in der Debatte um den Helm des Ukrainers Wladyslaw Heraskewytsch haben. Der Skeleton-Pilot wollte nicht auf das Tragen seines Kopfschutzes verzichten, der mehr als 20 bei russischen Angriffen getötete Sportkollegen zeigt. Das IOC hatte den Helm verboten, weil Meinungsäußerungen dieser Art während der olympischen Wettbewerbe nicht erlaubt sind. Im Eilverfahren wies der Internationale Sportgerichthof Cas den Einspruch von Heraskewytsch ab. Der 27-Jährige könnte den Fall nun vor ein ordentliches Gericht bringen.
Und was kommt jetzt?
Sportpolitisch bietet der Blick in die Zukunft für IOC-Chefin Kirsty Coventry weitere heikle Herausforderungen. Dafür steht allein schon der Gastgeber des nächsten Olympia-Spektakels. 2028 empfängt Donald Trump die Sportwelt in Los Angeles.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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