
Der brutale Tod der zwölfjährigen alten Luise aus Freudenberg im Siegerland ist ein Schock gewesen – nicht nur für die Familien und die Menschen in ihrer Heimstadt. Auch bundesweit war das Aufsehen groß. Luise verblutete nach einer Vielzahl an Messerstichen in einem Waldstück in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Ebenso schockierend: Zwei Mädchen, die selbst erst 12 und 13 Jahre alt waren, gestanden die Tat.
Mehr als drei Jahre später hat das Landgericht Koblenz nun eine Entscheidung in einem Zivilverfahren unter anderem um Schmerzensgeld verkündet. Dabei ging es nicht um die Frage, wer Schuld trägt – ein Strafprozess fand wegen des jungen Alters der Beschuldigten nicht statt.
Was hat das Gericht entschieden?
Das Gericht hat entschieden, dass die geständigen Mädchen eine hohe Summe Schmerzensgeld an die Familie des Opfers zahlen müssen. Eine Grundlage dafür ist, dass die Kammer festgestellt hat, dass die Ansprüche auf einer "vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung beruhen".
Dem Gericht zufolge stehen den Eltern und der Schwester insgesamt 85.000 Euro zu, für die Getötete kämen 40.000 Euro hinzu, insgesamt beträgt die Höhe des Schmerzensgelds damit 125.000 Euro. Auch die Bestattungskosten in Höhe von rund 15.000 Euro sollen die Beschuldigten übernehmen. Hinzu kämen weitere Kosten wie Anwaltskosten der Familie in Höhe von rund 4.000 Euro.
Da der traumatische Verlust bei den Klägern anhaltende Gesundheitsschäden hervorgerufen habe, müssten die Beklagten darüber hinaus auch für entstandene und künftig noch entstehende materielle Schäden der Kläger einstehen. Damit sprach die Kammer der Klage weitgehend zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
War es Mord?
"Nach dem Urteil der Kammer haben die beiden Beklagten am 11. März 2023 Luise heimtückisch und aus niederen Beweggründen ermordet", sagte Gerichtssprecherin Eva Maria Kahn. Bei den beiden beklagten Teenagern habe die Kammer die individuelle Verantwortungsreife und Einsichtsfähigkeit für das Unrecht ihrer Tat gesehen.
Wie lange kämpfte Luise mit dem Tod?
Für die Höhe des Schmerzensgelds gilt die Dauer und Schwere des Leidens als entscheidend. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Luise erhebliches Leid erfahren habe und mindestens wenige Minuten extreme Panik und Todesangst erlebt habe, wie der Richter sagte. Es sei davon auszugehen, dass der Todeskampf maximal 30 Minuten gedauert habe. Das sei unter anderem an Spuren von Gegenwehr erkennbar. Es sei ein heimtückischer und geplanter Mord gewesen, der die Kammer fassungslos mache.
Was war geschehen?
Luise wurde am 11. März 2023 nach einem Besuch bei einer Freundin als vermisst gemeldet. Es folgte eine Suchaktion mit Mantrailer-Spürhunden, einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera, Drohnen sowie Kräften von Polizei und Feuerwehr. Die Leiche des Mädchens wurde am 12. März einige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt gefunden.
Nach Angaben des Gerichts führten die Beklagten – eine davon soll Luises beste Freundin gewesen sein – das arglose Mädchen unter dem Vorwand einer Überraschung in eine Schlucht. Dort hätten sie zunächst versucht Luise mit einem Plastikbeutel zu erwürgen und dann mit 74 Messerstichen auf sie eingestochen.
Zu Prozessbeginn im Juli 2025 erklärte ein Richter, Luise sei an Blutverlust sowie einem Pneumothorax - einfach ausgedrückt: eine Luftansammlung im Brustraum - gestorben.
Wer hat Luise getötet?
Zwei tatverdächtige Mädchen von damals 12 und 13 Jahren gerieten in das Visier der Ermittler, weil ihre Aussagen aus einer ersten Anhörung im Widerspruch zu den Aussagen anderer Zeugen standen. Bei einer nochmaligen Anhörung im Beisein von Erziehungsberechtigten und Psychologen seien sie mit den Widersprüchen konfrontiert worden und hätten die Tat gestanden. Beide Mädchen seien der Polizei zuvor nicht aufgefallen. Später zeigten Chatverläufe dem Richter zufolge, dass sich die beiden beschuldigten Mädchen zuvor bereits über eine Tötung unterhalten hätten.
Was ist zum Motiv bekannt?
Die Ermittlungsbehörden hielten sich mit Aussagen zu möglichen Motiven zurück – es ist davon auszugehen, dass die Frage nach dem Warum für die Öffentlichkeit unbeantwortet bleiben wird. Dahinter stecke vor allem der Schutz der jungen Beschuldigten, sagte der leitende Oberstaatsanwalt in Koblenz, Mario Mannweiler. "Was für Kinder möglicherweise ein Motiv ist für eine Tat, würde sich einem Erwachsenen möglicherweise nicht erschließen."
Warum gab es keinen Strafprozess?
Wegen ihres Alters sind die Beschuldigten aus Sicht der Justiz strafunmündig. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich schuldunfähig – selbst bei einem so schlimmen Verbrechen wie Mord oder Totschlag. Es wird davon ausgegangen, dass sie die Folgen ihres Handelns noch nicht ausreichend überblicken. Eine erste Maßnahme des Jugendamts war, dass die betroffenen Mädchen vorerst nicht mehr bei ihren Familien lebten, jedoch weiterhin Kontakt mit ihren Eltern hatten.
Was unterscheidet ein Strafverfahren von einem Zivilverfahren?
Anders als im Strafrecht können Kinder, die älter als sieben Jahre sind, im Zivilrecht für unerlaubte Handlungen haftbar gemacht werden, wenn sie eine sogenannte Verantwortungsreife besitzen. Dem Gericht in Koblenz zufolge besaßen die beiden Mädchen die erforderliche Einsichtsfähigkeit für das Unrecht ihrer Handlungen.
498425
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Panorama":
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
HSG Hohenlohe - HSG Winterbach/Weiler (Handball): HSG Hohenlohe feiert 31:25-Heimsieg29.04.2026 - 2
NBA 2026: Trotz 22 Punkten Rückstand: Knicks schlagen Schröders Cavs20.05.2026 - 3
Unfall: Unwetter in Region Nürnberg - über 1.000 Einsätze, Verletzte14.07.2026 - 4
"Playboy" Juli 2026: Hanna Weig lässt die Hüllen fallen - Fans wettern gegen Cover-Star03.06.2026 - 5
WTA Tennis in Bogota Ergebnis: Anastasia Tikhonova überwältigt Emanuela Lares28.03.2026
Ähnliche Artikel
NFL 2026: Tennessee Titans 15:24 Chicago Bears31.08.2026
Technoparty: Nach Schüssen: Deutsche unter Verletzten des Schweizer Raves31.08.2026
FC Schalke 04: Statistik, News, Ergebnisse und nächste Gegner in der Bundesliga31.08.2026
SC Paderborn 07: Ergebnisse in der Bundesliga und News im Überblick31.08.2026
SV 07 Elversberg: Statistik, News, Ergebnisse und nächste Gegner in der Bundesliga31.08.2026
Fußball News: Deutscher Mittelstürmer schießt Monaco an die Tabellenspitze31.08.2026
Unglück: Kapitän nach Fährunglück vor Zypern festgenommen - Acht Tote30.08.2026
Dortmund: Ittlinger/van de Velde und Ehlers/Wüst holen Meistertitel30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Schüsse bei Rave-Event: Spuren von mindestens zwei Waffen30.08.2026
Norwegischer Monarch: König Harald wird am 9. September beigesetzt30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Nach Schüssen bei Rave-Event: Täter noch nicht identifiziert30.08.2026
Weltmeisterschaft: Deutsche Hockey-Herren verteidigen WM-Titel30.08.2026
Hamburger SV News: Schock nach Startsieg: Kreuzbandriss bei neuem BVB-Star30.08.2026
Vuelta a España 2026: Nach Pogacar-Aus: Mas baut Führung mit Etappensieg aus30.08.2026
Hamburger SV News: Kreuzbandriss: Konstantelias fehlt Dortmund monatelang30.08.2026
Großeinsatz in der Schweiz: Außenministerium: Todesopfer in der Schweiz ist Italienerin30.08.2026
Basketball: WM-Ticket fast sicher: Schröder-Team mit Zittersieg in Polen30.08.2026
Tennis News: Zwei deutsche Profis bei US Open im Einsatz30.08.2026
Hitze und Trockenheit: Wetterdienst stellt Sommer-Bilanz vor30.08.2026
Sternschnuppen, Herbstmond und XXL-Asteroiden: Diese Himmelsspektakel erwarten uns im September 202630.08.2026


















