
- Tote und zahlreiche Schwerverletzte nach Kollision von Zügen von Renfe und Iryo
- Unglück nahe Adamuz bei Tempo 300, Ermittlungen zur Ursache laufen
- Beileidsbekundungen von Pedro Sánchez und Ursula von der Leyen
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Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens steht für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Ein Bahnunglück erschüttert nun das Land - und wirft Fragen auf.
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge entgleisen nahe Adamuz
Bei dem Unglück in Andalusien im Süden des Landes am Abend des 18. Januar 2026 kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Mehr als 170 Reisende seien verletzt worden, davon 24 schwer und fünf sehr schwer, teilten die Behörden mit. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen werde.
Gegen 19.40 Uhr war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mutmaßlich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe dort vorbeifuhr und vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen wurde.
Zugunglück in Spanien: Auch Deutsche unter den Opfern
Bei dem schweren Eisenbahnunglück in Spanien sind auch Deutsche unter den Opfern. "Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben", hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Lage sei derzeit zum Teil noch unübersichtlich. "Unser Konsulat in Malaga und unsere Botschaft in Madrid stehen mit den örtlichen Behörden im engen Austausch, um eine Aufklärung der Identitäten der Opfer zu betreiben."
"Schreie, weinende Kinder, Blut"
"Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden", meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschließlich diesen Montag unterbrochen werden. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. "Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren." Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: "Es war wie ein Erdbeben."
Königshaus und von der Leyen sprechen Beileid aus
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: "Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene Brüche. Alles andere als schön."
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu. "Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land", schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. "In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken", schrieb sie auf X auf Spanisch.
Tragödie wirft Fragen auf
Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar - die Tragödie gibt Rätsel auf. "Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall", sagte Minister Puente. "Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil." Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich genauso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros.
Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch viele Verletzte in insgesamt sechs Krankenhäusern.Einige würden noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen, sagte Regionalpräsident Moreno.Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, sagte Moreno.
Psychologische Betreuung
Das Rote Kreuz half nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern mit psychologischer Betreuung, sondern auch traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die etwa im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich auf ihre Lieben warteten.
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes Unglück vom24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.
Angesichts der Tragödie, der Trauer und des Chaos zeigten sich viele Menschen in der 4.000-Einwohner-Gemeinde Adamuz solidarisch. Trotz später Stunde brachten freiwillige Helfer Decken, Arznei- und Lebensmittel ins Gemeindezentrum. Supermarktbesitzerin Rafaela machte umgehend ihren Laden auf und sagte im Gespräch mit RTVE: "Heute schläft hier niemand!"
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