
Kostenlose Binden und Tampons in Schulen, Rathäusern oder öffentlichen Toiletten: Zahlreiche Kommunen im Südwesten haben das Angebot in den vergangenen Jahren geschaffen - Tendenz steigend. "Fehlender oder erschwerter Zugang zu Menstruationsprodukten kann die gesundheitliche Versorgung, soziale Teilhabe sowie Bildungs- und Arbeitschancen beeinträchtigen - insbesondere bei Menschen mit geringem Einkommen", teilt das Sozialministerium dazu mit.
Die Ausgaben der einzelnen Städte für die kostenlosen Menstruationsprodukte unterscheiden sich dabei deutlich. Was einzelne Kommunen bieten, was sie dafür bezahlen, warum sie das Angebot geschaffen haben - und was die leeren öffentlichen Kassen in dem Zusammenhang bedeuten:
Was bieten die Kommunen?
Eine Umfrage in den größeren Städten des Landes zeigt: Die meisten von ihnen bieten kostenlose Tampons und Binden in den Schulen an - vielfach mit Automaten. So gibt es beispielsweise in Tübingen laut Verwaltung in Schulen und öffentlichen Gebäuden insgesamt 26 Spender für Binden und Tampons. In Mannheim haben zwölf Schulen Automaten aufgestellt. In Karlsruhe können in den meisten weiterführenden Schulen in den Schulsekretariaten Tampons, Binden oder Slipeinlagen abgeholt werden, wie die Stadt mitteilte.
Auch die Kinder- und Jugendhäuser in Karlsruhe stellen demnach kostenlose Menstruationsprodukte zur Verfügung. In Tübingen wurden auch öffentliche Toiletten mit Automaten bestückt, ebenso wie etwa das Rathaus, die Stadtbücherei und das Stadtmuseum. Pforzheim bietet nach eigenen Angaben in mehreren öffentlichen Toiletten, im eigenen Wildpark in den Toiletten sowie am Bahnhof Spenderautomaten an.
Wie viel geben die Kommunen für ihre Angebote aus?
Die Ausgaben der Städte gehen teilweise weit auseinander. So geht die Stadt Freiburg von jährlichen Kosten im unteren sechsstelligen Bereich für alle weiterführenden Schulen, Sporthallen und öffentlichen Toiletten aus. Heidelberg spricht von rund 38.000 Euro im Jahr für die Bereitstellung der Menstruationsartikel und die Befüllung der Spender.
Heilbronn hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 8.500 Euro für die Beschaffung von Tampons und Binden ausgegeben. Mannheim plante für die Jahre 2025 und 2026 jeweils 10.000 Euro im Haushalt für die Erstausstattung an Mannheimer Schulen ein, wie die Verwaltung mitteilte. Die Befüllung der Automaten wird demnach über die allgemeinen Betriebsmittel der Schulen gedeckt. Die Stadt Pforzheim hat pro Jahr im Schnitt 2.300 Euro an anfallenden Kosten, wie die Verwaltung schrieb.
Seit wann bestehen die Angebote?
Zahlreiche Städte haben die Angebote erst in den vergangenen Jahren eingeführt: Nach Angaben der jeweiligen Verwaltungen etwa in Stuttgart ab 2020, in Heidelberg und Freiburg ab 2022, in Tübingen, Ulm und Ludwigsburg ab 2023, in Pforzheim und Heilbronn ab 2024 und in Mannheim ab 2025. Konstanz hatte 2024 zeitweise im Rahmen eines Pilotprojektes ebenfalls ein Angebot in mehreren öffentlichen Einrichtungen geschaffen. Es wurde allerdings mittlerweile weitgehend wieder eingestellt.
Warum haben die Kommunen das Angebot geschaffen?
"Durch das kostenlose Bereitstellen von Menstruationsprodukten wollen wir Barrieren abbauen, die Gesundheit und Chancengleichheit fördern und ein positives Körperbild unterstützen", schreibt die Stadt Freiburg dazu. "Abbau von Scham, Stigmatisierung und Unsicherheiten im Zusammenhang mit Menstruation unterstützen einen offenen, respektvollen Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft." Andere Kommunen äußern sich ähnlich.
Wie wird das Angebot angenommen?
Die Kommunen sprechen von einer guten bis sehr guten Annahme. In Konstanz sei die Annahme des Angebots während des Pilotprojektes im Jahr 2024 teilweise so gut gewesen, dass Spender bereits nach zwei, drei Tagen leer gewesen seien, schreibt die Verwaltung. Die Stadt Tübingen betont zudem, dass bislang kein Vandalismus oder Missbrauch des Angebots bekannt sei. "Die kostenlosen Menstruationsartikel werden verantwortungsvoll und bedarfsgerecht genutzt."
Inwiefern können die Angebote trotz klammer Kassen bestehen?
Das ist unklar. Die Stadt Heidelberg etwa betont, dass es sich um "eine freiwillige Leistung" der Kommune handele. Im Rahmen der kommenden Haushaltsberatungen werde über eine mögliche Fortführung entschieden. Die Stadt Konstanz hat nach dem Pilotprojekt 2024 die beteiligten Einrichtungen nach eigenen Angaben gefragt, ob sie die Spender auf eigene Kosten weiterführen wollten. Bisher habe dies nur eine Einrichtung zugesagt.
Auch der Gemeindetag Baden-Württemberg sieht angesichts der Finanzkrise der Kommunen keinen Spielraum. "In nahezu allen Städten und Gemeinden müssen etablierte freiwillige Leistungen gestrichen werden", sagt Gesundheitsdezernentin Luisa Pauge. "Es stellt sich daher nicht die Frage, wie der Bedarf bewertet wird, sondern es gibt aktuell für die allermeisten Kommunen faktisch keine Möglichkeit, neue freiwillige Leistungen anzugehen."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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