
Auf den Sprung in den Yarra River wird Angelique Kerber dieses Mal verzichten. "Es ist keine Wette am Laufen", sagte Kerber bei ihrer Rückkehr nach Melbourne schmunzelnd. Hier, im Melbourne Park, nur wenige Meter vom wunderschönen Fluss der australischen Metropole entfernt, hat Kerber vor zehn Jahren Sportgeschichte geschrieben.
6:4, 3:6, 6:4 - mit diesen Zahlen besiegte Kerber 2016 im Finale der Australian Open die klar favorisierte Serena Williams aus den USA. Als Erste seit der legendären Steffi Graf 17 Jahre zuvor holte damit eine deutsche Tennisspielerin wieder einen Grand-Slam-Titel - und löste so einen neuen Tennisboom in Deutschland aus.
Startschuss für weitere Erfolge
Es folgten Olympia-Silber, der Titel bei den US Open, der Sprung auf Platz eins der Weltrangliste und zwei Jahre später auch noch der Triumph in Wimbledon. Doch diese Januartage vor zehn Jahren sind es, die Kerber immer in ihrem Herzen und in ihren Gedanken tragen wird.
"Dieser Titel hat alles verändert", sagte Kerber nun bei ihrer Rückkehr nach Australien. 2024 hat sie nach den Olympischen Spielen in Paris ihre Karriere beendet. Inzwischen ist sie zweifache Mutter. Und auch deshalb genießt sie es, für eine Woche zurück in Melbourne zu sein, um am Legenden-Turnier teilzunehmen.
Keine Kinder, mehr Schlaf
"Auf der einen Seite fehlen die Kids mir natürlich, aber auf der anderen Seite ist es auch mal schön, ein paar Tage für mich zu haben", sagte Kerber. Schon den 21 Stunden langen Flug hat sie anders als früher genossen - weil sie endlich einmal schlafen konnte. Ihr jüngster Sohn Ben ist noch kein Jahr alt. Zu Hause ist es mit dem Schlaf also so eine Sache.
Melbourne also, Januar 2016. Die Wochen, die für Kerber alles verändern. Dabei wäre fast ganz schnell alles vorbei gewesen. In der ersten Runde ist Kerber weit davon entfernt, das Tennis zu spielen, mit dem sie rund zwei Wochen später die große Serena Williams besiegt. Gegen die Japanerin Misaki Doi steht es 6:7, 6:6, im Tiebreak hat die Japanerin beim Stand von 5:6 aus Kerbers Sicht Matchball. Ein Punkt für Doi und Kerber sitzt am nächsten Tag im Flieger zurück nach Deutschland.
Sieg gegen Japanerin als Wendepunkt
Doch Kerber gewinnt den Tiebreak und entscheidet auch den dritten Satz mit 6:3 für sich. "Danach hatte ich eigentlich nichts mehr zu verlieren", sagte Kerber nun im Rückblick. Es folgen souveräne Zweisatzsiege gegen die Rumänin Alexandra Dulgheru, die Amerikanerin Madison Brengle und die Deutsche Annika Beck. "Nach dem Sieg gegen Annika wusste ich, jetzt geht es hier wirklich zur Sache."
Im Viertelfinale zeigt sie gegen Viktoria Asarenka aus Belarus ihre bis dato beste Turnierleistung, dann schlägt sie die Britin Johanna Konta ebenfalls in zwei Sätzen und steht plötzlich in ihrem ersten Grand-Slam-Finale. "Das war schon der Wahnsinn damals", sagte ihr damaliger Trainer Torben Beltz, der heute als Frauen-Bundestrainer für den Deutschen Tennis Bund tätig ist.
Deutsche Erfolge lange her
Davon, in Melbourne erneut einen Grand-Slam-Titel zu bejubeln, ist man weit entfernt. Das deutsche Abschneiden in diesem Jahr ist wieder einmal enttäuschend. Nur Laura Siegemund schaffte es in die zweite Runde. "Wir brauchen uns da nicht anzulügen: Gut war es auf jeden Fall nicht", kommentierte Kerber die aktuelle Situation im deutschen Damen-Tennis.
Als Mentorin beim DTB will sie daran mitwirken, dass es in Zukunft wieder besser wird. Sie sieht aber vor allem die jungen Spielerinnen in der Pflicht. "Es ist nicht so, dass man mal eine Woche trainiert und auf einmal wird man Grand-Slam-Siegerin", sagte Kerber. "Das fängt bei Fitness und Ernährung an, geht über mentale Dinge. Das alles dauert."
Kerber hat nichts verlernt
Kerber weiß, wovon sie spricht. Auch sie musste lange auf den Durchbruch warten. 2011 reihte sie Niederlage an Niederlage, dachte zwischenzeitlich sogar daran, mit dem Tennis aufzuhören. Dann stürmte sie bei den US Open völlig überraschend ins Halbfinale - und schaffte den Durchbruch in die Weltspitze.
Dass sie auch heute noch mit dem Tennisball umgehen kann, beweist Kerber beim Legenden-Turnier. Mit Andrea Petkovic (38) gewann die heute 38-Jährige gegen die beiden Australierinnen Alicia Molik und Samantha Stosur 4:6, 6:0, 10:2. "Es macht Spaß, wieder auf dem Platz zu stehen." So wie vor zehn Jahren, als sie plötzlich den Siegerpokal in den Himmel von Melbourne reckte. "Diesen Moment werde ich nie vergessen."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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