
Deutschlands Rad-Star Florian Lipowitz streifte sich die Kühlweste über und versuchte, die Hitze der spanischen Hafenmetropole Barcelona abzuschütteln. Nach seinem dritten Gesamtrang im Vorjahr erlebte der 25-Jährige den nächsten Zeitverlust nach der zweiten Etappe bei der 113. Tour de France.
"Ich glaube, es hatten viele heute auch Probleme mit der Hitze. Es war ja super warm", sagte Lipowitz, nachdem er am Sonntag bei der Kletterpartie am Montjuic den 16. Platz belegt hatte. In der Gesamtwertung büßte er weitere zehn Sekunden ein und steht als Achter 45 Sekunden hinter dem Gesamtführenden Jonas Vingegaard aus Dänemark, der das Gelbe Trikot trägt.
Lipowitz: "Grundsätzlich kann ich doch heute zufrieden sein"
Er sei aber "ganz happy", so Lipowitz. "Ich verliere ein paar Sekunden, aber grundsätzlich kann ich doch heute zufrieden sein", sagte er. "Die Beine haben sich schon mal besser angefühlt als gestern. Ich habe mich ein bisschen schwergetan mit dem Positionieren und dann ging leider am Schluss die Lücke auf." Der Rundkurs mit kurzen Anstiegen an Barcelonas Stadtberg Montjuic, der dreimal bewältigt werden musste, habe ihm nicht gelegen.
Umso mehr passte er für einen Debütanten: Den Tagessieg holte sich der mexikanische Jungstar Isaac del Toro, nachdem sein Teamkollege Tadej Pogacar ihm den Sieg gönnte. Beide fuhren gemeinsam über die Ziellinie. Für den 22-Jährigen war es der erste Tour-Etappensieg. "Es bedeutet mir alles", sagte er.
Titelverteidiger Pogacar verzichtete auf den Tagessieg und hielt sich auch mit größeren Attacken zurück. So konnte der Weltmeister seinen dänischen Dauerrivalen Vingegaard nach dem Mini-Dämpfer am Vortag nicht abschütteln. Bei der 113. Frankreich-Rundfahrt bleibt der dieses Mal viertplatzierte Vingegaard nach seinem Sieg im Teamzeitfahren am Vortag im Gelben Trikot.
Vingegaard: "Nicht meine Lieblingsanstiege"
"Es sind nicht meine Lieblingsanstiege", sagte Vingegaard. "Aber im Gelben Trikot zu bleiben, darüber bin ich sehr froh. Ich bekomme einen weiteren Tag im Trikot." Das genieße er sehr.
Nach del Toro, der während des Rennens einen Defekt bewältigen musste, und Pogacar fuhr der belgische Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel als Dritter über die Ziellinie.
In der Gesamtwertung steht der zweimalige Tour-Sieger Vingegaard nach seinem Auftaktsieg im Teamzeitfahren weiter an der Spitze vor Pogacar. Der Abstand verringerte sich allerdings von zwölf auf sechs Sekunden durch die Bonussekunden des Slowenen. Red-Bull-Profi Evenepoel, Teamkollege von Lipowitz, steht aktuell auf Rang drei.
Beim Beginn der ersten Montjuic-Überquerung schnappten sich Vingegaard und Pogacar wie geplant die vorderen Positionierungen. Generell wurde es hektisch: Der französische Profi Quentin Pacher verhedderte sich mit seinem Rad in einer auf der Strecke liegenden Nationalflagge eines Fans. Beim Anstieg fuhren inmitten der elektrisierenden Kulisse Vingegaard und Pogacar immer nah beieinander.
Vingegaard mit Mundschutz
Vor dem Start präsentierte sich Vingegaard mit einem Mundschutz. Er sagte, dass er nicht krank sei, aber auf Nummer sicher gehen wolle, weil er bei den vergangenen beiden Frankreich-Rundfahrten angeschlagen gewesen sei. Zuletzt trug er das Gelbe Führungstrikot bei seinem bisher letzten Gesamtsieg vor drei Jahren.
Bloß nicht krank werden bei der Mission, den großen Rivalen erneut zu schlagen: Am ersten Tour-Tag lieferten sich die Topstars schon einen spannenden Schlagabtausch. Giro-Sieger Jonas Vingegaard bestätigte seine starke Form und bejubelte den Tagessieg - zwölf Sekunden vor dem Dritten Tadej Pogacar, dem Dauerrivalen des Dänen. Zuletzt gewann Pogacar die Tour in den vergangenen beiden Jahren.
Engelhardt mit Fluchtversuch
Pogacar grämte sich nicht zu lange. Er sagte, dass er mit voller Motivation in Tour-Tag zwei starten wolle. "Wenn es eine Chance dazu gibt, versuchst du es immer. Aber heute ist das größte Ziel, sicher zu bleiben und die Anstiege zu überleben", sagte Pogacar vor dem Rennen über die Ambitionen, das Gelbe Trikot zurückzugewinnen.
Schon kurz nach dem Start in der südlich von Barcelona gelegenen Stadt Tarragona krachte es und mehrere Fahrer waren in einen Sturz verwickelt, darunter Top-Sprinter Biniam Girmay. Doch für den Profi aus Eritrea ging es direkt weiter.
Währenddessen versuchte sich der neue deutsche Meister und Tour-Debütant Felix Engelhardt mit zwei anderen Mitstreitern in einer Spitzengruppe. Sie fuhren teilweise einen Abstand von fast vier Minuten heraus. Doch das kurz nach dem Start eingeleitete Unterfangen wurde rund 30 Kilometer vor dem Ziel beendet.
Profis siedeln nach Frankreich über
Am Montag verlassen die Radprofis Barcelona und siedeln nach Frankreich in die Pyrenäen über. Allerdings bedrohen Waldbrände in Südfrankreich die dritte Etappe. Bis zum Abend werde entschieden, ob die Etappe wie geplant stattfinden kann, sagte der Präfekt des Departements Pyrénées-Orientales, Pierre Regnault de la Mothe, bei einer Pressekonferenz, wie die Zeitung "Le Parisien" berichtete.
Nach dem Start im spanischen Granollers geht es in den Skiort Les Angles. Auf Vingegaard & Co warten knapp 200 Kilometer und 3850 Höhenmeter. Vor dem Abschied aus Spanien ist der Col de Toses - ein Anstieg der ersten Kategorie - zu bewältigen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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