
In seinem Transferrausch während der Weltmeisterschaft trat Real Madrid dann doch mal kurz auf die Bremse. Der spanische Rekordmeister wies in einer offiziellen Stellungnahme Spekulationen über eine Kontaktaufnahme zu Bayern Münchens Michael Olise zurück. Ansonsten zeigen sich die Königlichen in den WM-Tagen weniger zurückhaltend: Der Franzose Ibrahima Konaté, der Spanier Marc Cucurella und der Portugiese Bernardo Silva wurden verpflichtet, der Vertrag mit dem deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger wurde verlängert.
Die große Wechsel-Welle im Profifußball kommt aber erst nach der WM, da sind sich die Experten einig. Das Turnier gilt als dynamische Transferbörse, bei der die Spieler ihre Aktien rasant in die Höhe schießen können. "Eine WM wirkt als Beschleuniger. Spieler können sich mit wenigen starken Auftritten oder besonderen Momenten innerhalb kürzester Zeit ins Schaufenster spielen", sagte Marc Behrenbeck von der Berateragentur feel soccer der Deutschen Presse-Agentur.
Ähnlich sieht es Marijo Knez von der Agentur CAA Base. Dass Vereine einen Spieler bei der WM komplett neu entdecken, sei nahezu ausgeschlossen. Aber: "Wer auf dieser riesigen Bühne unter extremem Druck und gegen hochkarätige Gegner performt, verändert seine Verhandlungsposition grundlegend", erklärte Knez: "Aus einem losen Interesse wird so ganz schnell ein konkretes Angebot."
Wer schnappt sich WM-Shootingstar Bouaddi?
Das habe nicht nur mit den Leistungen an sich zu tun, sondern auch mit der "weltweiten Aufmerksamkeit und dem medialen Hype", so Behrenbeck. Gerade junge Spieler könnten mit wenigen starken WM-Spielen "einen echten Nachfrageeffekt erzeugen".
Für den Australier Nestory Irankunda (20), den Senegalesen Ibrahim Mbaye (18), den Norweger Antonio Nusa (21), den Schweizer Johan Manzambi (20) und den Marokkaner Ayyoub Bouaddi (18) hat sich die WM deswegen schon jetzt gelohnt. Bouaddi steht aktuell noch bei OSC Lille unter Vertrag, doch er wird schon mit den ganz großen Clubs in Europa in Verbindung gebracht. Die müssten aufgrund von Bouaddis starker WM-Leistung aber tief in die Tasche greifen. "50 Millionen? Nein, das reicht nicht", sagte Lille-Präsident Olivier Létang bei RMC Sport.
"Clever von den Bayern"
Ähnliches gilt für Yan Diomande (19). Dessen Arbeitgeber RB Leipzig soll ein erstes Angebot des FC Liverpool über 100 Millionen Euro abgelehnt haben. Die Hoffnung des Bundesligisten: Der Offensivstar der Elfenbeinküste erhöht mit weiteren Gala-Auftritten wie zum WM-Start gegen Ecuador den Preis.
Ob diese Rechnung auch bei Ismael Saibari (25) aufgeht? Dem Vernehmen nach hatten sich der zweifache WM-Torschütze Marokkos, die PSV Eindhoven und der FC Bayern München bereits vor der WM auf einen Wechsel grundsätzlich geeinigt. Bayern soll rund 50 Millionen Euro als Fixbetrag zahlen. Ähnlich sind die Bayern bei Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt vorgegangen, auch dessen Wechsel gilt als praktisch perfekt.
"Clever von den Bayern: Sie haben sich in beiden Fällen offenbar auch mit deren Clubs geeinigt, bevor die Spieler bei der WM vielleicht ihre Marktwerte noch weiter steigern", schrieb Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus in einem Beitrag zum Transfer-Thema in der "Sport Bild".
Schlotterbeck und die Ausstiegsklausel
Aus dem deutschen Team ist die WM vor allem für den ablösefreien Leon Goretzka, den bei Newcastle United nicht besonders glücklichen Nick Woltemade und Nico Schlotterbeck auch persönlich wichtig. Schlotterbeck verlängerte zwar kürzlich seinen Vertrag bei Borussia Dortmund - allerdings mit einer Ausstiegsklausel, die auch schon in diesem Sommer gezogen werden kann.
"So gesehen hat ihn sein Tor gegen Curaçao einen kleinen Schritt näher zu Real gebracht oder zu einem englischen Top-Club", meinte Matthäus. Allerdings verletzte sich der Innenverteidiger im zweiten Spiel am linken Sprunggelenk. Dass das Transfer-Geflüster während des Turniers die Spieler ablenken könnte, glaubt Matthäus nicht: "Im Gegenteil: Es dürfte sie zusätzlich motivieren, auch im Training immer alles zu geben."
Berater während WM: "intensives Arbeiten im Hintergrund"
Ein komplettes Verbot von Transfergesprächen sei ohnehin "unrealistisch", meinte Behrenbeck: "Spieler verbringen während eines Turniers viel Zeit im Hotel und haben neben Training und Spielen auch Phasen, in denen sie nachdenken oder Gespräche führen." Wenn nicht im Teamhotel, dann eben "telefonisch oder per Videocall".
Natürlich würden die Berater während des Turniers Gespräche mit interessierten Clubs führen, bestätigte Knez. "Man muss im Hintergrund intensiv arbeiten, darf den Spieler dabei aber unter keinen Umständen nervös machen", sagte er: "Die Kunst liegt jedoch darin, den Informationsfluss zum Spieler präzise zu steuern."
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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