
Am Anfang haben viele den Branchen-Neuling nicht ganz ernst genommen. Als DAZN vor zehn Jahren den Betrieb startete und Sport nur im Internet zeigte, haben sich manche gewundert und gefragt: Sport-Streaming, was ist denn das?
Es waren es vor allem Fans der englischen Premier League, die anfangs ein Abo beim neuartigen Pay-Anbieter abschlossen. Der Neuling mischte anschließend rasant den Markt auf, überraschte immer wieder mit dem Kauf von wichtigen TV-Rechten - verärgerte aber zeitweise auch Kunden und die Fußball-Bundesliga.
DAZN: Absolute Abenteuerlust und naive Goldgräberstimmung
"Es war tatsächlich eine Mischung aus absoluter Abenteuerlust und einer gewissen naiven Goldgräberstimmung", sagte Haruka Gruber der Deutschen Presse-Agentur über den Start. Der Vermarktungs-Chef von DAZN ist ein Mann der ersten Stunde und berichtete von "Naivität gemischt mit Abenteuerlust und extrem großem Fleiß".
Mit den Milliarden-Investitionen des in der Ukraine geborenen Amerikaners Len Blavatnik startete DAZN zunächst in Japan und Deutschland. Das erste größere Spiel hierzulande zeigte der auch als "Neflix für Sport" bezeichnete Streamingdienst am 13. August 2016: Hull City gegen Leicester City. Während die damaligen Premier-League-Clubs längst wieder abgestiegen sind, ging es für DAZN rasant aufwärts.
Ex-Vorstandschef: "Wir werden sehr aggressiv vorgehen"
Das Medien-Unternehmen des Blavatnik-Konzerns Access Industries expandierte Jahr für Jahr. Inzwischen ist es weltweit als Pay-TV-Anbieter tätig. Die volle Konzentration auf Sport war und ist der wesentliche Unterschied zu Netflix und anderen Streamern.
"Was immer auf den Markt kommt, wir werden sehr aggressiv vorgehen, sehr proaktiv", sagte der damalige Vorstandschef James Rushton im ersten Geschäftsjahr. Genug Geld sei in der Kasse: "Absolut. Keine Sorge. Wir sind sehr gut finanziert", sagte der Brite der dpa. Und die Konkurrenz im deutschen Markt hatte der DAZN-Chef klar im Auge, bezeichnete Sky als "Gorilla im Raum".
DAZN setzt Sky zu
DAZN setzte dem früher dominierenden Pay-TV-Sender Sky zu, erwarb Rechte für die Fußball-Bundesliga und stach den damaligen Marktführer vor allem bei der Champions League aus. Der Kampf wurde zum Teil mit harten Bandagen geführt, wie die heftige Auseinandersetzung mit der Fußball-Bundesliga bei der bisher letzten Ausschreibung zeigte. Die Deutsche Fußball Liga musste ihre Rechte-Auktion abbrechen und später neu starten.
"Ich glaube, den einen Gorilla gibt es heute nicht mehr", sagte der heutige Vermarktungs-Chef. Gruber betont stattdessen: "Die Vorstellung, dass es nur einen dominanten Anbieter geben kann und man die anderen dafür aus dem Markt drängen muss, ist aus meiner Sicht überholt." Die "alte Dschungel-Logik gibt es so nicht mehr". Kooperationen seien immer wichtiger, sagte Gruber: "Heute kooperieren wir in bestimmten Bereichen sogar mit Sky."
Teurere Abonnements sorgen für Ärger
Bei vielen jungen Sport-Fans kam DAZN in der Startphase gut an, auch mit der lockeren Art der Präsentation. Doch mit den teuren Rechten stieg auch der Preis, der anfangs bei 9,99 Euro im Monat lag. Die teureren Abonnements sorgten bei Kunden der ersten Stunde für Ärger. Das Monatsabo mit Bundesliga und Champions League kostet derzeit 44,99 Euro.
Wirtschaftlich ist das notwendig. Für Gruber ist der größte Erfolg in zehn Jahren DAZN in Deutschland: "So unromantisch das klingt: Dass wir seit der zweiten Hälfte 2024 profitabel sind." Für das weltweit tätige Unternehmen insgesamt gilt das allerdings noch nicht.
In Deutschland ist DAZN aus Grubers Sicht "erwachsen" geworden. Dazu zählt auch die Verpflichtung von TV-Prominenz wie Laura Wontorra und Michael Ballack für die Präsentation der teuren Fußball-Rechte.
Zugleich freut sich der Manager der ersten Stunde, dass der "DAZN-Stil, den wir 2016 eingeführt haben, weiterhin besteht und auch zukünftig bestehen bleibt. Viele Kommentatoren und Moderatoren, die wir damals gefördert haben, haben immer noch sehr viel Airtime." Es sei aber auch schön, wenn jemand wie Alexander Schlüter, "der als Praktikant bei uns gestartet ist", jetzt beim ARD-Klassiker "Sportschau" zu sehen sei.
Herber Verlust für Saison 2027/28
DAZN startete als Herausforderer. Doch nun muss sich der Marktführer neuen Herausforderern stellen. Dass Sky sich die Premier-League-Rechte längst zurückgeholt hat, ist zu verschmerzen. Aber der Verlust der Champions League ab der Saison 2027/28 ist äußerst schmerzlich. Nur noch ein Jahr, dann laufen fast alle Spiele der Königsklasse beim US-Streamingdienst Paramount+. DAZN muss sich dann mit der Europa League und der Conference League begnügen.
"Emotional tat es natürlich weh, denn wir sind seit sehr vielen Jahren Champions-League-Partner", sagte Vermarktungs-Chef Gruber zu dem Verlust. "Aber das ist nun mal der Wettbewerb. Erwachsen zu sein, bedeutet auch, harte Entscheidungen zu treffen."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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