
Fußballspiele gehören nicht unbedingt zum Kerngeschäft der Deutschen Telekom. Trotzdem investiert der Telekommunikations-Riese einen dreistelligen Millionenbetrag, viel Arbeitskraft und Energie in die Weltmeisterschaft. Dabei verkauft sie doch - salopp ausgedrückt - eigentlich nur den Transport von Daten.
"Netze sind unsere DNA", sagt Arnim Butzen, der TV-Chef der Telekom: "Aber sie leben von starken Inhalten, von den Emotionen, die diese erzeugen. Wir sind überzeugt, dass attraktive Inhalte wie die WM und die Euro im Wettbewerb echte Differenzierer sind."
Telekom sieht Turnier auch als Schaufenster für MagentaTV
Im Grunde unterscheiden sich die wichtigsten Produkte der Telekom, das Mobil- und das Festnetz, nicht von dem der konkurrierenden Mobilfunknetzbetreiber wie Vodafone oder O2. In diesem Wettbewerb bietet der Marktführer den Kunden einen Zusatznutzen mit dem hauseigenen Sender MagentaTV, bei dessen Programm die WM heraussticht. Nur dort sind gegen Bezahlung alle 104 Spiele zusehen. Aber lohnt sich der teure Rechteeinkauf und der personelle Aufwand?
Butzen ist davon überzeugt. "Content wird immer wichtiger. Wir bringen neue Kunden in Kontakt mit MagentaTV - und das sind Kunden, die sehr oft bei uns bleiben. Sie sehen, was es bei MagentaTV noch alles gibt neben der WM, neben dem Sport." Sein Unternehmen sieht "das Turnier auch als Schaufenster für MagentaTV. Wir wollen zeigen, was wir alles zu bieten haben. Wenn man es zum ersten Mal ausprobiert, dann versteht man erst, wie viel mehr unser Produkt im Vergleich zu klassischem Satelliten- oder Kabelfernsehen bietet."
Einige Zuschauer dürften sich wundern
Schon beim zweiten Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft dürften sich einige Menschen wundern. Auf einem klassischen Fernsehsender ist die Partie Südkorea gegen Tschechien nicht zu sehen. Nur MagentaTV zeigt das Liebhaber-Spiel - so wie 43 andere Begegnungen. Dazu zählen später auch mehrere entscheidende Spiele der K.o.-Phase.
Was dazukommt: Bei einer WM schauen nicht nur eingefleischte Fans zu, sondern auch Millionen von Menschen, die zwischen den großen Turnieren eher wenig Fußballinteresse haben. Auch darauf setzt das Unternehmen, das neben der Männer-WM ein großes Rechte-Paket mit Frauen- und Junioren-Turnieren erworben hat.
Wie finanziert der Konzern die teuren Rechte?
"Wir haben eine Mischkalkulation", antwortet Butzen auf die Frage nach den Finanzen. "Natürlich ist die Sub-Lizensierung an ARD und ZDF für uns ein sehr großer Faktor." 60 WM-Partien haben die beiden öffentlich-rechtlichen Sender von der Telekom erworben und bezahlen dafür geschätzte 150 Millionen Euro.
Die Sender wollen sich dazu nicht äußern. Offiziell ist nur, dass ARD und ZDF in einem komplexen Vertrag mit der Telekom je 30 WM-Spiele erhalten und im Gegenzug Rechte für die kommende Europameisterschaft im Wert von geschätzten 40 Millionen Euro an die Telekom abgegeben haben. "Alle wichtigen Spiele der Fußball-WM 2026 werden frei empfangbar im ZDF und in der ARD zu sehen sein", sagte ZDF-Intendant Norbert Himmler bei der Vertragsverkündung.
Lockmittel: Exklusive Spiele und prominentes Personal
Der Weiterverkauf, darunter auch Highlight-Rechte für diverse Portale, ist die wichtigste Einnahmequelle der Telekom. "Aber sowohl die Werbevermarktung als auch der Abo-Absatz sind wichtig", erklärt Telekom-Manager Butzen. "Bei der EM haben wir eine sechsstellige Anzahl von Kunden dazugewonnen, das sind also relevante Größen." Bereits vor zwei Jahren hatte die Telekom nach einem ähnlichen Deal mit ARD und ZDF als einziger Sender alle EM-Spiele gezeigt.
Wer kein Magenta-TV-Kunde ist, benötigt zwei Monate lang ein Abonnement, muss also 22 Euro für die WM bezahlen. Kunden des MagentaSport-Abonnements dürfen auch schauen, müssen sich allerdings über MagentaTV anmelden. Ein Telekom-Anschluss ist für den Empfang nicht notwendig. MagentaTV ist auch über Internet-Anschlüsse anderer Anbieter wie Vodafone, O2 oder lokale Anbieter zu empfangen.
Um möglichst viele Menschen zu MagentaTV zu locken, hat der Konzern 44 Partien exklusiv für den eigenen Sender behalten und in prominentes Personal investiert. Für Aufsehen sorgte die Telekom besonders bei der Verpflichtung der Experten Thomas Müller und Jürgen Klopp. Als dazu passender Marketing-Coup gilt zudem das Engagement von Tom Kaulitz. Für den Mann von Heidi Klum wurde die Rolle als Fan-Experte erfunden.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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